Mara und der Feuerbringer – Kindergartenfantasy

by on 03/16/2015

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© Constantin

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Irgendwann schreibe ich mal ein Buch über Young Adult Fantasy Fiction, also über all diese Formate wie City of Bones, Divergent, Rubinrot und so weiter, in denen ein Mädchen plötzlich erkennt, Superkräfte zu besitzen und die Welt retten zu müssen. Das wird ein langes Buch, denn davon gibt es ja so einige. Und auch das deutsche Kino hat jetzt wieder einen Beitrag zu diesem Kassenschlager-Genre: Mara und der Feuerbringer basiert, natürlich, auf einer Romanreihe und dreht sich, natürlich, um ein Mädchen mit übersinnlichen Fähigkeiten.

Titelheldin Mara (Lilian Prent) wird von merkwürdigen Visionen heimgesucht, die sich als Bilder aus der nordischen Götterwelt entpuppen. Während ihre Mutter einen Esoterik-Kurs nach dem anderen Besucht, hat Mara nämlich tatsächlich übersinnliche Kräfte und wird von Gott Loki (Christoph Maria Herbst) als Medium genutzt. Dem ist nämlich seine Liebste Sigyn (Eva Habermann) abhanden gekommen. Und sollte er sich aus seiner Gefangenschaft befreien, um seine große Liebe zu retten, ginge damit auch der Untergang unserer Welt einher. Das muss Mara jetzt verhindern. Ob sie nun will oder nicht.

Mara und der Feuerbringer hat alles was ein Fantasy Abenteuer für Teenys heutzutage so haben muss. Die Heldin ist von ihrer Aufgabe überfordert, weil sie als Außenseiterin ohnehin ein veritables Selbstwertproblem hat. Natürlich hat der Vater die Familie verlassen und natürlich ist auch das Verhältnis zur Mutter schwierig. Zu dieser klassischen Adoleszenz-Einsamkeit gesellt sich noch eine Selbstfindungskrise, stellen ihre Fähigkeiten Mara doch vor die Frage, welcher Mensch sie eigentlich sein will. Eine klassische Coming of Age Geschichte eben.

© Constantin

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Und doch ist Mara und der Feuerbringer dann wieder ganz anders als die zahlreichen Formate, die wir insbesondere aus dem US-amerikanischen Kulturraum kennen. Eine Liebesgeschichte zum Beispiel gibt es hier nicht, was vermutlich auf das junge Zielpublikum zurückzuführen ist. Was in der Synopse erst einmal düster und spannend klingt, wird nämlich durch eine recht uninspirierte Bilderbuchinszenierung und den Kindergartenhumor vollkommen seines Potentials beraubt. Die Witze sind ebenso platt wie die Charaktere und die selbst für einen Fantasy-Plot recht hanebüchene Story. Auch die mittelprächtige CGI kann Jugendliche im Jahr 2015 definitiv nicht mehr ins Kino locken. Das tatsächliche Publikum dürfte also deutlich jünger sein als die 14 jährige Heldin der Geschichte.

© Constantin

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Damit ist Mara und der Feuerbringer irgendwie ziemlich deutsch. Es fehlt der Mut zum echten Genre Film, zu einem Abweichen vom Heile-Welt-Kino der Schweiger-Schweighöfer Generation. Hauptsache der Humor ist einfach genug, um auch die langsamsten Zuschauer_innen zu erreichen und am Ende haben sich alle lieb. Dass man mit dieser Strategie jeden noch so viel versprechenden Plot ruinieren kann, zeigt Mara und der Feuerbringer sehr eindrucksvoll. Die Figuren sind nur noch Abziehbilder, charakterlose Stereotypen, die niemanden wirklich interessieren. Der innere Konflikt der Heldin wird in wenigen Minuten mit Patentlösungen abgehandelt, anstatt zu einem Subplot ausgebaut zu werden, mit dem sich ein jugendliches Publikum tatsächlich identifizieren könnte. Am fatalsten aber ist der Kindergartenhumor, von dem sich Jugendliche ab 12 wohl eher verarscht als unterhalten fühlen. Aber Achtung, liebe Eltern: Der humoristische Konzept ist ein wenig irreführend, denn mit den für kleinere Zuschauer_innen durchaus gruseligen Monstern ist Mara und der Feuerbringer für ein sehr junges und/oder zart besaitetes Publikum ebenso wenig geeignet!

Während Hauptdarstellerin Lilian Prent auch deshalb nicht überzeugt, weil sie beim Sprechen kaum die obere und untere Zahnreihe voneinander trennen kann, amüsiert Jan Josef Liefers vornehmlich deshalb, weil er schon wieder einen verschrobenen Professor und Fachidioten spielt. Der Part kommt ihm zweifelsohne entgegen, doch schleicht sich eben auch immer wieder ein Hauch Professor Boerne ein. Esther Schweins als Esoteriker-Mutter ist nicht nur ein wandelndes Klischee, sondern geht den sexistischen Regeln des Mainstream-Films entsprechend natürlich auch keinem Beruf nach. Als einziger Lichtblick strahlt überraschend Christoph Maria Herbst als zwielichtiger Loki, der jedoch – größtenteils an einen Stein gefesselt – viel zu wenig Präsenz entfalten kann.

Kurzum: Mara und der Feuerbringer ist definitiv ein Satz mit x.

Kinostart: 2. April 2015

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