Moderne Zeiten bei Kinostalgia

by on 05/20/2013
© Piffl Medien

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Kino kann so viel mehr sein als nur in einem dunklen Raum auf eine Leinwand zu starren. Kino kann ein Erlebnis für alle Sinne sein, wie Fernanda Parente mit ihrer Filmreihe Kinostalgia in Berlin beweist. Am 30. April, also in der Nacht zum Tag der Arbeit, hatte ich endlich Gelegenheit, mir dieses Event einmal aus nächster Nähe anzusehen.

IMG_0364 - Arbeitskopie 2Passend zum bevorstehenden Feiertag wurde Modern Times von Charlie Chaplin gezeigt, ein Film, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Die Gäste waren angehalten, sich dem Thema des Films entsprechend zu kleiden. Nun hat ja nicht jeder ein Arbeiteroutfit zu Hause im Schrank hängen. Doch ich konnte immerhin mit einer Latzhose aufwarten und viele Gäste hatten sich mit Kopftüchern ausgestattet. Der Tagescocktail war natürlich der „Screwdriver“ und auch Musik und Dekoration trugen dazu bei, dass sich das thematische Konzept konsequenzt durch den Abend zog. Ein besonderes Highlight war die Popcornverkäuferin, die als Pantomime verkleidet wortlos, dafür aber gestenreich, für das leibliche Wohl der Gäste sorgte.

Der Film war großartig. Ich weiß nicht, wann ich das letzt Mal im Kino derart gelacht habe. Die wenigsten zeitgenössischen Komödien können es mit dem treffsicheren Humor von Charlie Chaplin aufnehmen. Es ist sehr lange her, dass ich das letzte Mal einen Chaplin Film gesehen habe und als Kind nahm ich lediglich die Slapstick-Elemente auf. Nun aber entdeckte ich den intelligenten Humor, der sich durchaus offensiv mit den negativen Begleiterscheinungen der Modernisierung auseinandersetzt und dabei erstaunlicher Weise noch immer, fast 80 Jahre später, den Zahn der Zeit trifft.

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Nach dem Screening ging es direkt über zum aktiven Teil der Veranstaltung. Ein Tanzlehrer brachte uns ein paar Schritte Charleston bei. Für meinen Geschmack hätte dieser Teil durchaus länger dauern können, denn ich hatte gerade Gefallen an der Bewegung gefunden, da war es auch schon wieder vorbei. Eine Band begann zu spielen und die Tanzfläche wurde urplötzlich von Profis gestürmt. Es war eine große Freude, den Tänzern dabei zuzusehen, wie sie über das Parkett wirbelten, aber ich traute mich dann doch nicht so richtig, mich unter dieses talentierte Volk zu mischen.

Alles in allem war es ein wundervoller Abend und ich wollte unbedingt mehr über diese Veranstaltung erfahren. Umso mehr freute ich mich, als Fernanda Parente sich bereit erklärte, für filmosophie.com ein kleines Interview zu geben:

filmosophie: Wie kamst Du auf die Idee, Kinostalgia ins Leben zu rufen?

Fernanda: Ich hatte die Idee 2009 während ich in Irland an meiner Diplomarbeit für das Aufbaustudium „Business in Cultural Event Management“ schrieb. Auf Grund der Wirtschaftskrise gab es immer weniger Jobs und so entschied ich, das Projekt an dem ich theoretisch arbeitete praktisch umzusetzen.

Zur selben Zeit brachte die Programmdirektorin Anna Taylor alte Filme zurück auf die Kinoleinwände von Dublin und erregte damit meine Aufmerksamkeit. Ich fragte sie, ob wir in ihrem Kino ein Test-Event veranstalten könnten. Sie war einverstanden und die Resonanz war überwältigend. Alle Leute wollten wissen, wann das nächste Event dieser Art stattfinden würde und so starteten wir im Februar 2011 eine Veranstaltungsreihe namens Film Fatale. Wir haben zusammen daran gearbeitet, bis ich letzten Juni nach Berlin gezogen bin. Anna macht in Dublin mit Film Fatale weiter, während ich hier jetzt Kinostalgia leite.

Wer steckt hinter Kinostalgia? Bist das nur du?

Ich bin zur Zeit ein Ein-Frau-Unternehmen! Für das Modern Times Event habe ich mit dem super lieben Team von Berlin HOP zusammengearbeitet, die die After Party und somit all die beeindruckenden Tänzer organisiert haben. Es war eine tolle Erfahrung und ich freue mich darauf, mit weiteren kreativen Leuten aus Berlin zusammenzuarbeiten.

Wie suchst Du die Filme aus?

Ich konzentriere mich auf Filme aus den 1920er bis 1960er Jahren. Die Filme müssen immer ein besonderes Element haben, aus dem sich ein Event entwickeln lässt. Die Musik, die Mode und die Drinks, die in dem Film auftauchen, spielen bei der Veranstaltung eine große Rolle. Bislang habe ich hauptsächlich Hollywood Klassiker gezeigt, aber ich will unbedingt auch europäische Klassiker zeigen.

Dieses Foto stammt von einer früheren Kinostalgia-Veranstaltung. Daher fehlen hier die bunten Kopftücher!© Ryan Jasper Walsh

Dieses Foto stammt von einer früheren Kinostalgia-Veranstaltung. Daher fehlen hier die bunten Kopftücher!
© Ryan Jasper Walsh

Was macht Dir an Kinostalgia am meisten Spaß?

Es ist unheimlich toll, all diese Filme auf der großen Leinwand in einem Gemeinschaftserlebnis wiederzuentdecken und zu bemerken, dass sie einfach zeitlos sind. Als das Publikum bei Modern Times laut lachte, hatte ich Gänsehaut!

Kannst Du uns schon verraten, welches der nächste Film sein wird?

Ich habe schon ein Programm, aber ich kann es noch nicht verraten. Ich suche noch nach einem besonderen Ort, der zu dieser Idee passt. Es wird einige Überraschungen geben, also behaltet unsere Facebook Seite im Auge!

 

Ich für meinen Teil bin schon sehr gespannt, mit was uns Fernanda das nächste Mal überraschen wird und hoffe, dass ich wieder mit von der Partie sein kann!

One Response to “Moderne Zeiten bei Kinostalgia”

  • Marco says:

    Interessant. Eine ähnliche Idee hatte ich auch schon mal (Kino und themantisch passender Discoabend) und bin weiterhin davon überzeugt, dass solche Veranstaltungen ein guter Weg sind, einerseits neues Publikum für das Kino zu begeistern und andererseits kleinen Kinos das Überleben zu sichern.

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