Mustang und die erschütternde Wahrheit über Liebe

by on 02/25/2016

Flattr this!

Angewandte Filmosophie zum Wochenende
Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung
am 27. und 28. Februar 2016

cutrin empfiehlt Mustang von Deniz Gamze Ergüven im Kino

© Weltkino Filmverleih

© Weltkino Filmverleih

Endspurt! Zum Auftakt des Wochenendes haben wir noch einmal die Gelegenheit, Filme nachzuholen, die sich am Sonntag eine Chance auf einen Academy Award ausrechnen dürfen. Mustang ist in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film nominiert und lohnt sich wahrlich nicht nur aus dokumentaristischer Pflicht. Ein wenig erinnert die Geschichte von Deniz Gamze Ergüven an Sofia Coppolas Film The Virgin Suicides, denn auch hier wird eine Handvoll Schwestern dem Diktat der Tugend unterworfen und im Haus der Familie eingesperrt. Der Unterschied liegt jedoch nicht allein im Schauplatz (der Türkei) begründet, sondern zum Beispiel auch darin, dass wir die Schwestern in Mustang (allesamt umwerfend besetzt) nicht nur durch die Perspektive von Nachbarjungs wahrnehmen, sondern ganz nah bei ihnen sind. Um genau zu sein, wachsen sie uns richtig ans Herz und gegen Ende wird die Spannung beinahe unerträglich. Meine ausführliche Kritik gibt es noch einmal hier nachzulesen.

dennis empfiehlt Erschütternde Wahrheit von Peter Landesman im Kino

© 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

© 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Erschütternde Wahrheit ist ein Film, mit dem nicht nur Regisseur Landesman wieder punkte kann – nachdem er mit seiner Drehbucharbeit bei Kill the Messenger mehr oder wenig gefloppt ist, sondern auch Will Smith, der in den letzten Jahren ein bisschen in den Hintergrund gerückt war. Offen gesagt, Erschütternde Wahrheit ist jetzt nicht die Entdeckung des Jahres oder gar die Revolution des Kinos, aber solides und sehenswertes Kino. Die Stärke liegt daher auch nicht auf der Story, die eigentlich jeder nachlesen kann, sondern vielmehr auf dem Figurenportrait, das der Film zeichnet. Dabei schafft es der Film auch immer wieder mit Bravour die mit Pathos behafteten Eisberge zum umschiffen, die ungeweigerlich zu so einem uramerikanischen Sport wie Football dazu gehören und nicht davon zu trennen sind.
Meine Kritik zum Film könnt ihr hier nachlesen.

quadzar empfiehlt Liebe von Michael Haneke am Samstag, den 27. Februar um 22:00 Uhr auf BR

© Warner Home Video

© Warner Home Video

Als ich mal in einem Neurowissenschaften-Seminar saß und es um Demenz ging, machte uns der Dozent auf Liebe von Michael Haneke als gutes Beispiel für die gemeinschaftlichen Implikationen aufmerksam. Da muss ich ihm zustimmen, auch wenn sich der Film nicht um Demenz an sich dreht. Das intellektuell aktive Musikwissenschaftler-Paar George (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva) wird jäh aus dem Leben gerissen, als die 80-jährige Anne einen Schlaganfall erleidet. Künftig nicht mehr zu den einfachsten Aufgaben fähig, kümmert sich George um sie, damit ihr der Heimaufenthalt erspart bleibt. Bald wird jedoch klar, dass eine Rückkehr ins Leben unmöglich ist. Während das Anne einen Todeswunsch gibt, ist das alte Leben für George ohne sie ebenso unerreichbar. Ohne großen Kitsch entfaltet Michael Haneke ein wie ich vermute realistisches und feinfühliges Bild.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 4+2=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.