My Beautiful Country – Unschönes in schönen Bildern

by on 05/22/2014

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© Lighthouse

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Der Name ist Programm. Auch wenn My Beautiful Country von Michaela Kezele ein ziemlich trauriges Thema behandelt, nämlich den Krieg im Kosovo Ende der 90er Jahre, zeichnet er sich in erster Linie durch seine Schönheit aus. Sonnendurchflutet ist die Welt von Hauptfigur Danica (Zrinka Cvitesic) und ihren zwei Söhnen Vlado (Andrija Nikcevic) und Danilo (Milos Mesarovic), doch im Inneren der Figuren sieht es düster aus. Vor einem Jahr hat die kleine Familie den Vater an den Krieg verloren und ist nun mit Armut und den Luftangriffen der Nato konfrontiert. Nein, schön ist dieses Leben eigentlich wirklich nicht.

Umso irritierender ist der geradezu romantische Stil von Michaela Kezele. Die freundliche Atmosphäre und die manchmal nahezu unbeschwerten kleinen Dorfszenen zaubern dem Zuschauer gar ab und zu ein Lächeln auf das Gesicht. Im völligen Gegensatz zu dieser beruhigenden Landidylle steht die dramatische Handlung, deren Ausgang auf bedauerliche Weise vorherzusehen ist. Danica beherbergt den flüchtigen Albaner Ramiz (Misel Maticevic), der sich als äußerst sympathischer, warmherziger Mann mit Vater- und Liebhaber-Qualitäten entpuppt. Kurzum: Danicas gebeutelte Seele bindet sich umgehend an den Fremden und das nicht aufzuhaltende Drama nimmt seinen Lauf.

All das geschieht jedoch vollkommen unaufgeregt. Wo andere Filme aus dem Versteck eines Feindes große Spannung entwickeln, lässt Michaela Kezele die Geschichte mit bemerkenswerter Ruhe weiterlaufen. Doch in dieser Gleichförmigkeit steckt auch eine gewisse Gefühlskälte. Da ist ebenso wenig Angst wie Leidenschaft, ebenso wenig großer Schmerz wie überbordende Freude. Und so fallen Sympathie und Mitleid trotz der offensichtlichen Notlage der Figuren schwer.

My Beautiful Country ist eine Mischung aus Tangerines und Labor Day, ohne jedoch die Tragikomik des ersteren oder die Erotik des letzteren. Die Handlung ist platt und die Botschaft wird auf noch plattere Art und Weise übermittelt. Übertitel stellen den historischen Kontext zur Verfügung, Radiosendungen informieren über die aktuellen Geschehnisse. Statt die Rahmenbedingungen dieser Geschichte über Dialoge oder vielleicht gar nonverbal zu vermitteln, werden sie schlicht erzählt. Der Film erhält hierdurch eine oberlehrerhafte Note: Die NATO wird beschuldigt, radioaktive Munition zu verwenden und tatsächlich erkranken die Kinder des Dorfes. Böse NATO!

Ebenso wenig subtil verhandelt My Beautiful Country die Geschlechterthematik. Wie immer in Kriegszeiten sind auch hier die Frauen weitgehend auf sich allein gestellt. Die Männer sind an der Front oder bereits gefallen. Und hat eine der Frauen doch noch das Glück, ihren Liebsten bei der Hand zu haben, so interessiert der sich mit Sicherheit mehr dafür, das Versteck eines Albaners aufzuspüren, als das eigene verstrahlte Kind zu retten.

Es ist schon klar, was Michaele Kezele uns damit sagen will. Krieg ist ein männliches Phänomen, während die Frau auf Zusammenhalt und Nächstenliebe bedacht ist. Der mütterliche Instinkt des Weibes dominiert alle übrigen Gefühle und Begehren. Und wahrscheinlich stimmt das sogar, zumindest insofern man die beiden Kategorien „Mann“ und „Frau“ als zwei gegenteilige Pole aufstellen möchte. Doch Kezele verabreicht ihre Botschaft mit dem Holzhammer. Und das ist selten sympathisch. Auch vermag ihre zu einfach gestrickte, melodramatische Liebesgeschichte kaum zu berühren. My Beautiful Country mag schön anzusehen sein, aber das ist leider auch alles.

DVD-Verkaufsstart: 23. Mai 2014

Pressespiegel bei film-zeit.de

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