Pacific Rim – Gibt uns del Toro einen Hauch von Lovecraft?

by on 12/17/2012

Flattr this!

© Warner Bros.

Kinder, Kinder, was waren das denn bitte für zwei Trailerwochen? Als gäbe es zu Weihnachten nicht schon genug Geschenke, haben uns die internationalen Verleiher so kurz vor Jahresende noch einmal einige richtige Leckerbissen in Trailerpapier gepackt und mit einer hübschen Schleife versehen. Oblivion, mit Tom Cruise in der Hauptrolle, sah schon ganz nett aus. Der Überlebenskampf von Will Smith und seinem Sohn Jaden Smith auf einer längst verlassenen Erde in After Earth verspricht äußerst unterhaltsam zu werden. Zack Snyders Man of Steel hat mein Fanboy-Herz eh höher schlagen lassen und Kathryn Bigelow zeigt uns Comic- und Sci-Fi-Geeks mit Zero Dark Thirty auch noch, dass Zeitgeschichte auch verdammt spannend sein kann.

Keine leichte Wahl also, mit der ich mich da die letzten beiden Wochen gequält habe. Entschieden hab ich mich aber letztlich für keinen von den vieren, sondern für Pacific Rim. Das ist jetzt auch keine sonderlich überraschende Wahl, machen sich Filmfreunde weltweit doch spätestens seit der diesjährigen Comic-Con in San Diego die Hosen nass, wenn mal wieder ein paar neue Bilder aus dem Film über den Bildschirm flackern. Und ich hätte doch so gerne zum Ende des Jahres auch einmal einer kleinen, sympathischen (Indie)produktion den Platz eingeräumt! Aber da macht man (oder zumindest ich) nix, denn Pacific Rim hat mich in den letzten beiden Wochen dann doch am meisten begeistert.

Wer ihn noch nicht gesehen hat, der sollte sich zunächst einmal dringend an sein örtliches Pan Pacific Defense Corps wenden oder sich zumindest bei Youtube informieren:

Die Geschichte ist also schnell zusammen gefasst: Nachdem die Kaiju, Monster aus einer anderen Dimension, ihren Weg in unsere Welt gefunden haben, machen sie das, was riesige Monster am besten können und drohen die menschliche Zivilisation zu vernichten. Weil die Menschen die Sache mit der Vernichtung aber doch ganz gerne sich selbst überlassen würden, beginnen sie Roboter zu bauen, so genannte Jaeger, um der Bedrohung entgegen zu treten.

Die Idee ist nicht ganz ofenfrisch und Regisseur Guillermo del Toro hat für seinen neuesten Film auch schon genug Spott und Häme eingesteckt. Ja, es sieht aus wie ein großer Transformers vs. Godzilla Aufwasch (obwohl ich hier ja mehr die Power Rangers sehe …). Ja, Pacific Rim klingt wie eine von diesen sehr fiesen Sexstellungen. Und ja, Idris Elba macht uns hier einen großartigen Bill Pullman. Und ich gebe ja auch zu, dass der Trailer gerade zum Ende hin etwas sehr viel Pathos atmet, den ich auf diese Weise bereits bei Independence Day nicht ausstehen konnte.

Warum also freue ich mich jetzt wie Bolle auf den Film, obwohl ich ihn das restliche Jahr über höchstens mal eines Blickes gewürdigt habe? Es ist vor allem die Art, wie del Toro alt bekannten Stoffen eine intensive Atmosphäre gibt und sie ins 21. Jahrhundert rüber holt. Pacific Rim ist ein Sci-Fi- und Katastrophenfilm, der mit seinem Mentalitätswandel ganz in die Entwicklungen der letzten Jahre passt. Die Feinde, und mögen sie auch riesige allesfressende Monster sein, kommen nicht mehr von einem anderen Planeten, sondern entspringen unserer eigenen Welt und damit einem Kosmos, von dem wir doch immer geglaubt haben ihn inzwischen ziemlich gut zu kennen. Diese Rückbesinnung auf die dunklen Gefahren dieser Welt hat in den letzten Jahren wieder stark zugenommen (wie zum Beispiel auch in J. J. Abrams Monsterfilm Cloverfield 2008) und außerirdische Invasionen sehen wir im Kino eigentlich nur noch recht selten.

Damit besinnt sich del Toro jetzt wieder auf die Wurzeln des Monstergenres, das in dieser Form unter anderem von H. P. Lovecraft begründet wurde. Und diese Besinnung könnte doch ein Trost für all jene Leute dort draußen sein, die noch immer sehnsüchtig auf del Toros Verfilmung von Lovecrafts Geschichte Mountains of Madness warten (zu diesen Leuten gehöre ich übrigens auch). Umso mehr freue ich mich aber über Pacific Rim, denn im Endeffekt lotet der Film bereits die Atmosphäre einer Lovecraft-Verfilmung aus. Und ich persönlich finde die Vorstellung einer dunklen Bedrohung hinter den eigenen Kulissen noch immer viel gruseliger, als irgendwelche Außerirdischen.

Der Trailer versprüht auch schon die überwältigende Atmosphäre, die ein solcher Monsterfilm einfach benötigt. Klar, die meisten Monster, die irgendwelche Städte platt trampeln, sind riesig. Müssen sie ja auch sein. Aber es gibt einen Unterschied zwischen riesig und riesig. Del Toros Kaijus sind nicht einfach nur auf einer physischen Ebene furchtbar groß, das sind die Transformers und King Kong auch. Sie besitzen auch diese psychische Komponente völliger Überwältigung, die doch eigentlich gerade den Reiz dieser Monsterfilme ausmacht. Der Regisseur höchstselbst hat in einem Interview mit der Huffington Post verraten, dass er sich dafür weniger bei anderen filmischen Vorlagen, als vielmehr bei dem Bild Der Koloss von Francisco de Goya bedient hat.

Ich glaube nicht, dass wir es bei Pacific Rim mit einem bloßen Independence Day Abklatsch und jeder Menge Hurra-Patriotismus auf die Menschheit zu tun haben werden. Dieser Film wird düster und dürfte auch genug Kritik an der vermeintlichen Opferseite enthalten (ist es so viel klüger, sich ökonomisch selbst zu zerstören, nur um riesige Roboter bauen zu können?). Und außerdem wollte ich schon immer mal sehen, wie die Power Rangers auf H.P. Lovecraft treffen.

2 Responses to “Pacific Rim – Gibt uns del Toro einen Hauch von Lovecraft?”

  • filmosophie
    filmosophie says:

    Wenn da nicht Guillermo del Toro drunterstehen würde, würde ich sagen: Was’n scheiß! Und dieses Dröhnen ist auch so ein bisschen das Theremin des 21. Jahrhunderts, oder?!

  • OTB says:

    Hallo,

    freue mich auch schon auf diesen Film und muss dir hier leider einen klitzklitzekleinen Fehler nachweisen. Das Cloverfieldmonster ist keine „dunkle Gefahr“ unserer Welt, sondern stammt nicht von der Erde. Wird recht deutlich (ok, klein und im Hintergrund, aber in der Interpretation deutlich) in der letzten Szene (Riesenrad).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 3+4=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.