Platt oder politisch: Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr

by on 12/31/2013

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© Universum

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Manche Filme lassen mich an der Weltordnung zweifeln. An der Ordnung der Filmwelt, meine ich. Wieso spielen Angela Bassett, die ich vergöttere wie kaum eine andere Schauspielerin, und Morgen Freeman in einem derart unterirdischen Balla-Balla-Film mit? Darauf gibt es für mich nur eine mögliche Antwort: Es muss irgendetwas geben, das ich an Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr noch nicht verstanden habe. Irgendetwas im Subtext, das den scheinbar platten Film plötzlich in ein subversives Meisterwerk verwandelt. Doch was könnte das sein?

Die Handlung wirkt auf den ersten Blick jedenfalls nicht sonderlich komplex. Da ist ein Held, Gerard Butler als Mike Banning, der genau so ist, wie ein Held eben zu sein hat. Der Typ von nebenan, aber irgendwie cooler, stärker, taffer. Er ist beim Secret Service und der engste Vertraute des Präsidenten, doch als er den Tod der First Lady mit verschuldet, wird Banning in den Innendienst versetzt und darf sich die Arbeitszeit mit Papierkram vertreiben. Was für ein Glück, dass das Weiße Haus eines Tages Opfer eines terroristischen Anschlags wird und Banning zeigen kann, dass er zu viel mehr taugt als nur Akten zu ordnen.

Wer aber sind denn diese Terroristen? Versteckt sich da vielleicht ein politischer Subtext? Das mag zunächst so erscheinen. Schließlich empfängt Präsident Asher (Aaron Eckhart) einen südkoreanischen Minister, dessen Assistent sich schließlich als Oberbösewicht entpuppt. Eine Weile scheint es, als ginge es hier um die Einmischung der USA in Korea. Aber so richtig will das auch nicht einleuchten. Zu sehr pocht der Film stets auf der Überlegenheit der Amerikaner, ohne die Südkorea dem nordischen Feind hilflos ausgeliefert sei. Amerika, Amerika, wie bist Du doch so wunderbar. Gäbe es Dich nicht, würde der Kommunismus die Welt verschlingen, das Böse würde siegen und ja, die Welt wäre in Gefahr. Meint der Film das wirklich ernst?

Eigentlich können wir nichts in diesem Film ernst nehmen, denn die Handlung besteht zu 90% aus sinnlosem Rumgeballere, aus der fortschreitenden Dekonstruktion amerikanischer Wahrzeichen wie dem Washington Memorial und des Weißen Hauses und aus Gerard Butler, der unverletzt durch den Kugelregen läuft, als wäre er ein Avatar in der Matrix. Der Angriff auf das Haus des Präsidenten ist vollkommen überdimensioniert und unglaubwürdig. Schwer vorstellbar, dass eine so groß angelegte Aktion vollkommen an den amerikanischen Geheimdiensten vorbeigeht. Aber sei’s drum. Es gäbe schließlich kein Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr, wenn die US Luftwaffe das terroristische Flugzeug schon  abgefangen hätte, bevor es illegalerweise in den amerikanischen Luftraum eingedrungen ist.

Halten wir also zwei Dinge fest. Erstens: Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr ist nicht ernst zu nehmen. Zweitens: Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr feiert die amerikanische Nation und den amerikanischen Helden. Kombinieren wir eins und zwei miteinander, folgt daraus logisch, dass der Patriotismus, der diesem Film aus jeder Pore quillt, reine Ironie sein muss.

Relativ zu Beginn des Films lässt Präsident Asher verlauten, dass er keinen Krieg wünsche. Asher ist der Gute, aber er ist nicht der Held der Geschichte. Er steht für eine Politik, die in Gefahr ist, bedroht von sich selbst. Denn die größte Gefahr, so lernen wir, geht von Amerika selbst aus. Die gefährlichsten Waffen, die die Terroristen einsetzen, haben sie von den Amis geklaut und am Ende droht den USA die Selbstzerstörung. Es ist die alte Wahrheit, die ich nur allzu gerne zitiere, die uns hier wieder und wieder vor Augen geführt wird: Wo eine Waffe ist, wird auch geschossen. Eine gigantöse Aufrüstung zu Verteidigungszwecken dämmt die Gefahr eines Krieges nicht ein, sie vergrößert sie. Und die bewaffnete Einmischung in Konflikte anderer Nationen schafft keinen Frieden, sondern neue Konflikte.

Am Ende hält Präsident Asher eine Rede, deren Inhalt Pathos in Reinform ist. Von einer Wiedergeburt Amerikas ist die Rede, von der Größe dieser Nation, die sich als Gottes Liebling begreift. Aber Asher spricht auch von den Helden, die nicht im Rampenlicht stehen. Damit meint er nicht sich selbst und auch nicht die anderen politischen Figuren dieses Films. Damit weist er uns, so glaube ich, sehr subtil, aber doch deutlich daraufhin, dass es noch ein anderes Heldentum gibt als das des tapferen Soldaten.

Ein Präsident, der für den Frieden ist und deshalb in Gefahr gerät, steht auch im Zentrum von Roland Emmerichs White House Down, einem Film, der wirklich frappierende Ähnlichkeit mit Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr aufweist. Das ist kein Zeichen dafür, dass hier einer vom anderen kopiert hätte, sondern dass dieses Thema die Menschen offenbar umtreibt. Amerikas Außenpolitik droht der Nation das Genick zu brechen. Was aber bei all dem Misstrauen in militärische Interventionen bleibt, ist das Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten als moralisch integren Mann aus Fleisch und Blut. Ein Retter ist er jedoch nicht. Er ist nur ein Symbol. Der Retter ist stets der Mann von nebenan, der Secret Service Mitarbeiter, der in beiden Filmen aufgrund seiner Vorgeschichte zunächst nicht als potentieller Held anerkannt wird. Aber ist das nicht doch wieder der klassische amerikanische Held? Der Einzelkämpfer, der sein Leben für sein Land riskiert? Der Soldat?

Ich bin mir nicht sicher, ob all diese Überlegungen überhaupt Sinn machen, ob Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr nicht vielleicht doch einfach nur ein platter Actionfilm ist. Eins jedoch steht fest: Egal, ob da irgendwo eine politische Botschaft versteckt ist, die ich bejahen könnte, ich möchte mir Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr nicht noch einmal ansehen. Denn über dem Subtext, wenn er denn überhaupt existiert, liegt einfach zu viel sinnloses Balla Balla.

Verkaufsstart: 15. November 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

 

Zur Analyse des subversiven Potentials zeitgenössischer Actionfilme: 

3 Responses to “Platt oder politisch: Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr”

  • Andrea says:

    Wie wäre es damit: Der ganze Film in seiner Absurdität (bestehend aus Klischees und „Einfällen“, die man schon zig Mal in anderen Filmen gesehen hat) wurde nur dafür gemacht, Amerika am Ende mal wieder ein Loblied singen zu lassen, vor allem nachdem es diverse interessante Filme gab, die das „gelobte Land“ tatsächlich kritisch ins Auge nahmen. Und schließlich sind Angela Bassett, Morgan Freeman und die von mir so verehrte Marisa Leo auch nur Amerikaner, die wohl sehr stolz sind, in diesem Land zu leben?

    • filmosophie
      filmosophie says:

      Der Gedanke kam mir durchaus auch, aber gerade das Ende ist so extrem patriotisch, dass ich es irgendwie nicht ernst nehmen kann. Zudem bleibt die Tatsache, dass Amerika sich hier eigentlich selbst angreift oder wie würdest Du den Fakt interpretieren, dass ihre eigenen Waffen sich gegen sie wenden?

  • Andrea says:

    Na ganz einfach: Nachdem Amerika schon des öfteren für ihre eigenen Waffen kritisiert wurden, machen sie es jetzt auf die clevere Weise und zeigen, dass selbst wenn Amerika mit den eigenen Waffen geschlagen werden sollen, sie nicht desto trotz die Sieger sein werden (und wenn es mit dem mitgelieferten Handbuch sein muss).

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