Protokolle des Bösen – Serienmörder im deutschen Fernsehen

by on 09/08/2016

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Schnauze voll von Tatort und Konsorten, von braven Kriminalfällen, die auf eine Zielgruppe über 60 ausgerichtet sind? Das deutsche Fernsehen hat manchmal tatsächlich mehr zu bieten, als man glaubt. Mit ein bisschen Mühe lassen sich nämlich durchaus ein paar lohnenswerte Nadeln im Heuhaufen des Einheitsbreis finden. Protokolle des Böse zumindest wirkt erfrischend anders und vor allem eines nicht: brav.

Die Idee ist simpel und hat sich bereits bewährt: Ein Fachmensch, hier Krimiautor und Experte für Serienmorde Stephan Harbort ist im Gespräch mit einem Serienmörder, fragt nach Tathergängen und Motiven und versucht damit, eine Erklärung für das Unerklärliche zu finden: Weshalb entscheiden sich Menschen zu Gewalttaten? Das Kammerspiel-Setting hat schon einst bei Jasmin – Die Geschichte einer Depression funktioniert, in dem die titelgebende Kindsmörderin von einer Psychologin befragt wurde und den filmosophie einst als Paradebeispiel für ein funktionierendes Fernsehfilmkonzept erklärte.

Protokolle des Bösen verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Auch hier geht es um das Eindringen in die Psyche des Täters, doch das Setting ist noch reduzierter, der Fokus noch stärker auf die Figuren gerichtet. Es geht hier, so scheint es, auch weniger um Sympathie oder zumindest Empathie für die Beschuldigten, sondern um eine kriminologische Aufarbeitung, die dem Fernsehpublikum einen Einblick in die Arbeit eines Profilers geben soll. Dem Sendeplatz im deutschen Ableger des US-amerikanischen History Channel entsprechend steht also Information und nicht die Unterhaltung im Vordergrund. Und dennoch wirkt der Trailer um eines packender als die meisten deutschen Fernsehkrimis.

Während Profiler Stephan Harbort hier als er selbst auftritt, werden die Täterinnen und Tätern von renommierten deutschen Schauspielern gemimt, zu denen unter anderem Michaela May, Uwe Ochsenknecht und Fritz Wepper gehören. Die erste Staffel der Reihe beinhaltet fünf Episoden, die ab dem 24. September 2016 mehrfach beim TV-Sender A&E ausgestrahlt werden. Einen Überblick über die Sendetermine sowie weitere Infos zu der Reihe und ihrer Protagonisten, sind auf der Webseite des Senders zu finden.

Wer weiß, vielleicht lohnt es sich ja doch, den Fernseher noch nicht einzumotten. Wir sind auf jeden Fall gespannt!

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