Quo Vadis, Dark Knight? Gedanken zum Batman Reboot

by on 08/03/2012

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Ich bin ein Comic-Nerd. Ich bin ein Film-Nerd. Passend also, dass sich gerade in letzter Zeit diese Nischenleidenschaften auf der Leinwand verbinden. Zum Glück, denn das nehme ich zum Anlass, euch ab jetzt alle zwei Wochen in meiner Kolumne ComiCinema über die Mysterien des comicinspirierten Kinos (und Fernsehens) aufzuklären.

© Warner Brothers

Den Anfang macht der Dunkle Ritter, den wir seit letzter Woche wieder in bekannter Nolan-Manier im Kino bewundern dürfen. Vor sieben Jahren interpretierte Christopher Nolan die Batman-Geschichte neu und zwar auf eine Art und Weise, die im Englischen gern als „grim and gritty“ bezeichnet wird. Keine zu abgehobene Action, tatsächlich vorstellbare Schurken, auch in der „realen Welt“ nachvollziehbare Konflikte, glasklare, epische Bilder und das bei Christopher Nolan kaum zu vermeidende „BAAAAAH!“ Aber nicht nur mir, sondern der gesamten Film- und Comicwelt stellt sich nun eine Frage: Was kommt als Nächstes? Was sollte als Nächstes kommen? Ich spekuliere.

Batman muss teamfähig werden

Der unvermeidliche Batman-Reboot wird vor allem von einem Faktor beeinflusst: Dem angekündigten Justice League of America – Film. Die von Marvel mit ihrem Cinematic Universe ausgeloteten Franchisequalitäten würden auch für DC eine Menge Geld bedeuten. Man of Steel ist der erste Schritt in diese Richtung und wird Gerüchten zufolge gemäßigte Hinweise auf die Superheldenkollegen Wonder Woman und Batman enthalten. Das Marvel Cinematic Universe funktioniert durch die stilistische Ähnlichkeit seiner Bestandteile, die in Marvel’s The Avengers elegant zusammengeführt wurden. Marvel legte schon bei der Erfindung der Comicversionen von Thor, Iron Man und Co. großen Wert auf ein stark zusammenhängendes, konsistentes Universum.

Bei DC, mit der Erfindung von Superman der Superhelden-Pionier, lief das anders. Ihre Serien waren zuerst unabhängige Projekte, die später zusammengeführt wurden. So sieht auch das zerfledderte Filmuniversum des Marvel-Konkurrenten aus. Ist ein kryptonischer, fast gottgleicher Übermensch mit außerirdischen Feinden im Universum des Nolan-Batmans vorstellbar? Nein, dafür war die Trilogie zu sehr auf Realismus (oder dessen Illusion) ausgelegt. Sich diesen Batman in einem Raum mit dem in Lichtgeschwindigkeit rennenden Flash, Superman, Green Lantern oder Wonder Woman vorzustellen, ist nahezu unmöglich. Der Nolan-Batman hätte den Weltbedrohungen des DC-Universums nichts entgegenzusetzen. Auch, wenn der Superman des Zack Snyder im ersten Trailer zu Man of Steel durchaus eine stilistische Verwandschaft mit den neuen Batman-Teilen aufweist: Der zur Popikone avancierte Batman von Christopher Nolan ist kein Teamplayer. Für dieses Dilemma sehe ich zwei Lösungen.

Das Große lernt vom Kleinen

Der Buzz um den Batman Reboot lässt eine Vielzahl möglicher Regisseure für einen Reboot zu. Was aber, wenn die Zukunft des neuen Batmans vor allem im Hinblick auf Justice League of America nicht in einem etablierten Kino-Regisseur liegt? Denn was Marvel auf der Leinwand schafft, schafft DC auf der Mattscheibe. Mit Batman: The Animated Series begann ein seit Anfang der 90er stetig wachsendes, hochgradig vernetztes Zeichentrickuniversum. Das Justice League-Experiment wurde mit der Serie Justice League: The Animated Series bereits hochgradig publikumswirksam gewagt. Vom DC Animated Universe des Multitalents Bruce Timm können die Kinokollegen noch einiges lernen. Ihm gelang die für das Kino so schwierige Verbindung der verschiedensten Helden spielend. Er sorgte mit der Mythologie des DC Animated Universe sogar für die durchaus auf Blockbuster-Niveau anzusiedelnden Spiele Arkham Asylum und Arkham City.

Nicht nur bei Comic-Fans ist das DCAU beliebt. Der Zeichentrick-Batman ist gleichzeitig Straßentyp, Megadetektiv und Bekämpfer intergalaktischer Bedrohungen. Er verbindet den psychedelischen 70er-Batman mit dem verbitterten Dunkelfanatiker der 80er, mit seinen Anfängen in den 30er-Jahren und führt die Figur smart ins neue Jahrtausend. Dieser Batman ist kein Sprachrohr für politische Ansichten oder eine bestimmte Interpretation der Figur. Er ist ein harmonisches Amalgam all seiner Aspekte. Fernsehen ist nicht Leinwand. Aber dennoch liefert das DCAU gerade für Batman einen reichen Fundus an auch für Comic-Neulinge funktionierenden Plots und Stilübungen. Da Christopher Nolan bekanntermaßen nicht den Aufseher für die DC-Kinoprodukte spielen möchte, bietet sich diese Position für Bruce Timm geradezu an, wenn auch nicht unbedingt auf dem Regisseursstuhl.

Welche Vorlage für den Batman-Reboot?

Jeder bisherige Batman-Regisseur hatte seine Inspiration. Für Tim Burton waren es vor allem die auf Detektivarbeit ausgelegte Neuinterpretation von Neil Adams und Dennis O’Neill, Frank Miller und sein Rache-Batman, Alan Moores (Watchmen) definitive Joker-Geschichte The Killing Joke sowie die surrealistisch angehauchte Augenoffenbarung Arkham Asylum von Grant Morrison und dem Designer Dave McKean (Sandman), die ihm die Idee des modernen Batman einpflanzten. Die subtile, poppige Kinosprache Burtons nahm Joel Schumacher und orientierte sich vor allem an der albernen Batman TV-Serie aus den 70er-Jahren. Over-Acting, Bat-Kreditkarten und -Nippel sowie wegen der Neon-Farben nicht wenige Augenkrebsopfer waren die Folge.

Christopher Nolan kehrte zu Millers Batman zurück und verband ihn in The Dark Knight Rises mit den übertriebenen 90er-Schurken wie Bane, wenn auch auf extrem verbogene Art und Weise. In Anbetracht der Tatsache, dass damit fast alle populären Bat-Stoffe verbraucht wurden, bleiben eigentlich nur noch zwei mögliche Richtungen: Zurück zu den Wurzeln oder Morrison. Die Wurzeln sind tabu, weil eher Hard-Boiled-Detektivgeschichten, da bleibt kein Platz für andere Helden, schon gar nicht für Superkräfte. Doch mit Grant Morrison, um diesen Artikel langsam zu seinem verdienten Ende zu bringen, könnte DC einen Glücksgriff landen.

Weg vom Ursprung, hin zu neuen Ufern

Schon der Man of Steel erinnert mit seinem Unterhosen-losen Kostüm an die Neu-Interpretation der Figur aus DCs New 52, dem 2011er Komplett-Reboot aller Serien im Sortiment. Die Helden sind moderner, smarter und auf ein unerfahrenes Publikum ausgerichtet. Ende der 90er-Jahre machte sich der schottische Autor Grant Morrison mit der Comicserie JLA an einer eigenen Version der Justice League zu schaffen, die auch Raum für einen Batman bot, der durch seinen unbesiegbaren Scharfsinn durchaus mit den Metawesen des DC-Universums mithalten konnte. Er interpretierte die DC-Helden als Götter-Pantheon, ganz im Gegensatz zu den bodenständigeren Marvel-Recken. Mitte der 2010er-Jahre übernahm er mehrere Batman-Titel und machte sich auf eine teils psychedelische Weise daran, die Figur des Batman, mit ihren Komplexen und ihrer an Verrücktheiten reiche Geschichte auf einen Punkt zu bringen. Sein Batman ist neben Green Lantern der einzige Held, der es weitestgehend unverändert auch in das neue DC-Universum schaffte.

Batman hat einen Sohn, es gibt zwei Robins und eine Firma namens Batman Incorporated, die Batmen auf der ganzen Welt ausbildet. All das ist natürlich zu hoch für die comicignorante Öffentlichkeit. Aber Morrison sieht Batman als das, was er ist: Eine Ikone, die keiner Erklärung bedarf und so abgehoben wie seine Superfreunde sein sollte. Wir brauchen keine neue Ursprungsgeschichte, sondern möglichst eine von neuen Geschichten geprägte Trilogie, die den Dunklen Ritter über verschiedene Prüfungen des Geistes und Charakters auf seine Rolle als paranoides Hirn einer Organisation von potenziell gefährlichen Superwesen vorbereitet. Der manchmal ironische, manchmal bitterernste Psycho-Batman von Grant Morrison könnte, in abgespeckter Form, der richtige für den Batman Reboot sein. Aber leider: Geld regiert die Welt. Vielleicht werden wir also im Namen der Einnahmensicherheit zum millionsten Mal die armen Waynes blutig zu Boden gehen und Bruce Wayne Miller-artig Rache schwören sehen.

 

 

 

 

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