Rogue One: A Star Wars Story – Hoffnung, die zur Gewissheit wird

by on 12/13/2016

Flattr this!

© The Walt Disney Company Germany GmbH

© The Walt Disney Company Germany GmbH

„I’m with the force and the force is with me.“ Dieses Mantra ist häufig in Rogue One: A Star Wars Story zu hören. Es versucht, Hoffnung zu einer persönlichen Gewissheit werden zu lassen. Das ist im Grunde auch der Sinn und Zweck des ganzen Films, der Erste einer Reihe angekündigter anthology movies. Auf dem Zeitstrahl angesiedelt zwischen Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith und dem allerersten Krieg der Sterne erzählt Rogue One von einer Gruppe Widerstandskämpfer, die nach dem Zusammenbruch der Republik und der Machtübernahme des Imperiums die Pläne für eine neue Waffe stehlen, die die Kraft hat ganze Planeten zu zerstören. Gegen den größten Spoiler können sämtliche Presseagenturen und Embargos nichts ausrichten: am Ende halten die Rebellen die Baupläne des Death Star tatsächlich in den Händen, in der Original-Trilogie wurde das Resultat dessen vor ein paar Jahrzehnten eindrucksvoll bewiesen. Umso überraschender fällt hingegen der Weg zu diesem Triumph aus, den Gareth Edwards (Godzilla) als erbitterten Kampf zwischen Hoffnung und abgrundtiefer Verzweiflung inszeniert.

Zu Beginn dieses Kampfes gibt es freilich kaum Grund für Optimismus. Wo Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht im vergangenen Jahr in staubigen Sandfarben erglühte, prallen Wärme und Zuversicht in Rogue One an schmutzig zerkratztem Stahlgrau ab. Wo die Geschichte von Rey, Poe und Finn um reichlich Fan-Service bemüht die Sehnsucht nach dem Feeling der Original-Trilogie stillen wollte, kommt Rogue One mehr als jeder andere Star Wars-Teil zuvor als Kriegsfilm daher. Und das, nachdem noch im vergangenen Frühjahr extra einen Monat lang nachgedreht wurde, um genau diesen Eindruck zu vermindern. Der rauen Kante tut das kaum einen Abbruch: nach einer kurzen Exposition steckt Jyn Erso (Felicity Jones) schon mitten drin in den Kämpfen zwischen Gut und Böse, die sich bis zum Ende in ihrer Bildgewalt, in ihrem (überhaupt fast durchweg) gelungenen Einsatz von CGI und ihrer Dynamik immer weiter steigern werden. Dabei lässt es Gareth Edwards auch an einer gepfefferten Fuck-Off-Attitüde nicht mangeln. Die Held_Innen von Rogue One sind keine perfekt organisierten Soldaten: sie sind eine bunt zusammengewürfelte Truppe, Deserteure, Befehlsverweigerer, Aufwiegler, Versehrte, die Punks unter den Rebellen. Und allesamt sind sie so vielschichtige Figuren, dass im Grunde jeder seinen eigenen anthology movie vertragen könnte.

© The Walt Disney Company Germany GmbH

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Aber ich will lieber nichts beschreien. Der heavy artillery zum Trotz fühlt sich Rogue One: A Star Wars Story gleichzeitig auch viel intimer an als die Filme zuvor. Dass nicht mit Fortsetzungen zu rechnen ist, wurde bereits offiziell verlautbart und tatsächlich tut es dem Star Wars-Universum gut seine Galaxien abseits der Traditionslinien um die Skywalkers zu erkunden. Wieder gibt es einen Überläufer, wieder bildet eine Familientragödie den Kern der Geschichte, aber im Gegensatz zur ausladenden Geste der Trilogien sind die Drehbuchautoren von Rogue One gezwungen, ihre Handlung weniger auf Epik denn auf pointierte Effizienz auszulegen. Das Gesamtpaket lässt das ausgewogener erscheinen, weil es dem gigantischen Wumms stetig auch etwas entgegenzusetzen hat. Der von den Rebellen umprogrammierte K-2SO (humorvoll zum Roboterleben erweckt durch Alan Tudyk) hat immer die richtige Statistik zum falschen Zeitpunkt parat. Im eingangs erwähnten Mantra entfalten schlichte Worte ihre Kraft und die riesigen ineinander krachenden Schlachtschiffe wären nichts ohne den menschlichen Körper, der letztlich Kraft seiner eigenen Muskeln den Showdown entscheidet.

Die verknöcherten supremacists, die im Vorfeld dazu aufriefen das Spinoff wegen seiner angeblichen Anti-Trump-Message zu boykottieren, können einem also nur leid tun. Nicht, weil die Rebellen in Rogue One: A Star Wars Story tatsächlich ein paar gepfefferte Schoten in Richtung einer Riege alter weißer Tyrannen zu schießen haben. Sie tun das mit Bravour. Aber auch, weil sich die ewigen Nörgler damit um eine Menge Spaß bringen. Rogue One feiert seine Diversität und formuliert seine zweifellos vorhandene Botschaft ohne in jeder Szene darauf hinzuweisen. Das Erwachen der Macht konnte nicht anders als ständig beiläufig zu thematisieren, dass mit Rey eine weibliche Figur an seiner Spitze stand, die nicht in erster Linie auf ewiges Liebesglück aus war. Ein Jahr später sind wir bei einem völlig selbstverständlichen Umgang mit diesem Fakt angekommen. Auch darin schließt Rogue One an zahlreiche Action- und Abenteuerfilme der 1970er und -80er Jahre an, in denen oft völlig anstandslos auch weibliche Figuren feuerten, das Schwert schwangen.  Jetzt muss nur noch die Realität der Space-Opernvision hinterherkommen.

Kinostart: 15. Dezember 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 3+3=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.