Savages

by on 03/12/2013
© Universal Pictures

© Universal Pictures

Der Trailer zu Savages ließ mich ein wenig an das Videospiel Army of Two denken, in dem zwei befreundete, maskierte Söldner Missionen erledigen müssen. Bis auf die dahinterstehende Ästhetik der Action hat Savages aber natürlich nichts damit zu tun. Was Oliver Stone mit seinem neuen Film aber bietet, ist ein sonnen- und gewaltgetränktes Drogenmärchen über die alles überwindende Macht der Freundschaft.

Es könnte nicht besser laufen: In Savages haben die Hasch-Dealer Ben (Aaron Taylor-Johnson) und Chon (Taylor Kitsch) durch ihr  perfektes und deswegen beliebtes Gras nahezu grenzenloses Kapital, ein relativ einfaches Leben und die schöne O (Black Lively) als Beziehung. Ja, als Beziehung für beide. Alles läuft perfekt und das obwohl sich der pazifistische Gutmensch Ben eigentlich nicht mit dem Navy Seal Chon verstehen dürfte. Das auch dank der Bestechung des DEA-Agenten Dennis (John Travolta) florierende Geschäft wird plötzlich aber radikal zurechtgestutzt, als das mexikanische Baja-Kartell um Boss Elena (Salma Hayek) und dessen Handlanger Lado (Benicio Del Toro) etwas vom Kuchen abhaben möchte. Als Ben und Chon nicht parieren, wird kurzerhand O entführt. So langsam müssen die Kumpels einsehen, dass das Drogenbiz doch nicht so schön ist. Wenn sie O wiederhaben wollen, müssen Kugeln fliegen.

Von Oliver Stone kannte ich vor Savages leider nur Natural Born Killers. Der Vergleich mit diesem Film hinkt aber gar nicht so sehr. Genau wie Natural Born Killers ist Savages um einer Botschaft willen hochstilisiert: Goldgelbe Lensflares fliegen uns aus der Sonne entgegen, die Villen könnte ich mir im Leben nicht leisten, die Figuren sind cool und die Action ist teils so unwahrscheinlich, dass es schon gar nichts mehr ausmacht. Aber das ist gut so. Savages wirkt manchmal wie Beverly Hills 90210, nur sind die Superreichen noch reicher und haben neben der Vogue auch gleich Bong und Vollautomatische auf dem Tisch. Das Übertreiben kann Oliver Stone gut und offensichtlich steckt in Savages eine clevere Parodie unserer postmodernen Generation, deren verzweifelt-lethargischer Suche nach Orientierung und den heutigen, vermutlich damit einhergehenden Kinotrends.

Aber die Botschaft ist ja nicht alles. Gerade die Übertreibung machte Savages für mich leider schwer verträglich. So richtig konnte ich den Bezug zu Chon, Ben und O (besonders O) nicht aufbauen. Alles ist etwas zu ästhetisch, die Action teils viel zu leichtfertig (steht aber in Wechselwirkung mit sehr expliziten, abschreckenden Szenen) und die Athmosphäre zu urlaubsartig. Die Gefahr bei übermäßiger Coolness ist, dass der Film zu konstruiert wirkt. Es fehlen der Bezugspunkt und das Organische, die Filme wie Pulp Fiction trotz aller Cleverness aufbauen. Savages wirkte manchmal ein Quäntchen zu leer, als würde ein Vakuum zwischen den Figuren und Ereignissen entstehen. Taylor Kitsch, Salma Hayek, John Travolta und Co. wirken dadurch leider fast gänzlich wie Taylor Kitsch, Salma Hayek, John Travolta und Co und weniger wie ihre Figuren.

Die Kritik gleich vorweggenommen, bleibt Savages aber trotzdem ein unterhaltsamer Eintrag in Oliver Stones Oeuvre. Es ist schwer, zwei haschdealende Kumpels, von denen einer ein buddhistischer Pazifist und einer ein Militarist ist, nicht unterhaltsam zu inszenieren. Hinzu kommen Salma Hayek und Benicio del Toro als eigenwillige Verbrecher und natürlich der in diesem Film besonders fleischig wirkende John Travolta als bestechlicher DEA-Agent. Zwar kommen die manchmal wie erwähnt zu cool daher, die dahinterstehenden Ideen aber überzeugen mit ihrer Originalität. Und Benicio del Toro ist einfach eine coole Sau (besonders dank seiner Frisur).

Wer darüber hinaus Überraschungen mag, wird in Savages gegen Ende eine ganz große bekommen. Dabei handelt es sich definitv um eine der ungewöhnlicheren Story-Twists. Kein einfacher Twist, sondern mehr so etwas wie ein Streich, bei dem sich der Zuschauer am Ende vielleicht ein wenig verarscht vorkommt. Sicherlich wird das das Publikum in zwei Hälften schlagen. Oliver Stone geht mit diesem Ende das Risiko ein, seinen Film bei vielen Leuten sehr unbeliebt zu machen. Aber genau dafür zolle ich ihm Respekt.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die übertriebene Stilisierung von Savages einerseits durch die dahinterstehende, clever inszenierte Botschaft und andererseits durch viele kreative Ideen glattgebügelt wird. Der Film basiert zwar auf dem Buch Zeit des Zorns (Savages) von Don Winslow, aber ich bin mir sicher, dass Oliver Stone dieser Geschichte seine ganz eigene Note gegeben hat. Diese Note kann natürlich wunderbar oder furchtbar sein: Im Falle von Savages aber verliert man nie die Gewissheit, dass Oliver Stone genau weiß, was er tut.

VERKAUFSSTART: 14. Februar 2013

Pressespiegel auf film-zeit.de

 

3 Responses to “Savages”

  • filmosophie says:

    Danke für den Hinweis darauf, inwiefern Savages vielleicht die zeitgenössische Blockbuster-Generation widerspiegelt. Das hat mir definitiv geholfen, den Film besser zu verstehen. Was mir allerdings – und das musste ja so kommen – extrem aufgestoßen ist, ist die Rolle der „O“ (übrigens, Zufall oder nicht, Namensvetterin der vielleicht berühmtesten Sexsklavin der Literatur). Oder soll auch das einen perversen Identifikationsmoment darstellen? So als Seitenhieb auf Twilight, wo ebenfalls eine Frau ohne eigene Handlungsoption zwischen zwei Männern steht und dadurch ständig in Lebensgefahr gerät? Was meinst Du?

    • quadzar says:

      Ich denke auch, dass man das so sehen kann. Vielleicht war nicht unbedingt direkt ein Seitenhieb auf Twilight beabsichtigt, aber sicherlich auf diese Form von Frauenrollenklischee. Der Name passt ja dann auch. Aber meine Unsympathie für die Figur rührt auch weniger von der Rolle, als von der Darstellerin her. Die kommt mir oft genau so leer vor.

      Welches Buch hat denn eine O als Sexsklavin? Das würde ich mir zu Recherchezwecken dann gleich mal zulegen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.