Scary Movie 5

by on 04/17/2013

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© Constantin

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„Der Erfolg einer Parodie steht und fällt damit, ob man es hinbekommt, den Humor knapp zu dosieren“, wird Drehbuchautor und Produzent David Zucker im Presseheft zu Scary Movie 5 zitiert. In meinen Augen gibt es zwei mögliche Interpretationen für diesen Satz. Erstens: David Zucker spricht hier von einem anderen Film. Zweitens: David Zucker hat es darauf angelegt, einen Film zu produzieren, der alles nur nicht lustig ist. Vielleicht bin ich einfach nur zu alt. Immerhin sind seit dem ersten Teil der Scary Movie Reihe stolze 13 Jahre vergangen. Film Nummer eins brachte mich noch zum Lachen, auch wenn ich die Witze damals stellenweise schon recht platt fand. Scary Movie 5 jedoch entlockte mir insgesamt nur fünf Schmunzler, dafür Gänsehautwellen vor Fremdscham und Unverständnis. Was zum Teufel haben sich die Leute nur dabei gedacht? Dass sich Charlie Sheen und Lindsay Lohan für derartigen Müll hergeben, um aus ihrer vermeintlich selbstironischen Darstellung noch ein Fünkchen Ruhm zu generieren, mag ich ja verstehen. Aber Kate Walsh?! Snoop Dogg?! Wie konntet ihr soweit sinken?

Auch Scary Movie 5 nimmt natürlich eine ganze Reihe von Horrorfilmen aufs Korn, die ich allesamt nicht gesehen habe, weil ich grundsätzlich keine Horrorfilme gucke. Ich fürchte mich zu sehr (muss rückblickend aber sagen, dass Scary Movie 5 sicher „fürchterlicher“ war als die persiflierten Originale). Ganz sicher lag es aber nicht an meiner Genre-Unkenntnis, dass die Witze bei mir nicht zünden wollten, denn die verschiedenen Handlungsstränge selbst waren mir durchaus bekannt. Jody (Ashley Tisdale) und Dan (Simon Rex) nehmen die Kinder von Dans verstorbenem Bruder bei sich auf. Die drei Kleinen haben eine Zeit lang alleine in einer Waldhütte gelebt, sind nicht nur vollkommen verwahrlost, sondern sprechen auch noch ständig von einer Mutter, die nur in ihrer Vorstellung existiert. Jodie erkennt schnell, dass es seit der Ankunft der Kinder in ihrem vollständig überwachten Haus nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Aber sie ist eigentlich viel zu beschäftigt mit ihrer Ballettkarriere, um sich…

© Constantin

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Ach, eigentlich ist es doch egal, worum es in Scary Movie 5 geht. Interessant ist ja nur, welche Filme hier karikiert werden. Ich habe Anspielungen auf Mama, Paranormal Activity, Black Swan, Inception, Planet der Affen: Prevolution, Fifty Shades of Grey, Evil Dead und Cabin in the Woods gefunden, erhebe aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Vielleicht hätte Scary Movie 5 mir besser gefallen, wenn ich den Film in der Originalversion hätte sehen dürfen und mir bei Aussprüchen wie „Wie hieß noch mal der Film mit der Hütte im Wald?“ den Wortwitz nicht selbst hätte denken müssen. Auch das hätte allerdings nichts daran geändert, dass ein Großteil der Witze über Exkremente funktioniert, als hätte ein Dreijähriger das Drehbuch geschrieben, der jedes Mal bei dem Wort „Kacki“ vor Lachen vom Stuhl kippt. Ja, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass der Film nur noch halb so lang wäre, wenn man alle Szenen streichen würde, in denen Körperausscheidungen thematisiert werden. Und wenn man dann noch alle Szenen streichen würde, in denen es auf irgendeine Weise um Sex geht, dann blieben nur noch die Gags übrig, die auf die Kosten der übergewichtigen mexikanischen Haushälterin gehen und die selbst mir einen Tick zu politisch unkorrekt waren. Erstaunlich, dass Snoop Dogg über seine Hautfarbe gute Witze machen darf, während die Mexikanerin durch ein Klischee nach dem anderen vergewaltigt wird. Aber so ist das halt mit übergewichtigen Frauen im Film: Sie dienen dazu, den Männern Furcht und Ekel einzuflößen.

Scary Movie 5 ist ganz, ganz selten und nur dann ein bisschen komisch, wenn der Humor nicht mit dem Holzhammer verabreicht wird, sondern sich subtil anschleicht und nur denjenigen offenbart, die ihr Gehirn nicht mit dem Eintrittsgeld an der Kasse gelassen haben. Und da David Zucker das ja offenbar weiß, bleibt hier nur der logische Schluss, dass er das Kinopublikum einmal so richtig quälen wollte. Das ist ihm gelungen!

KINOSTART: 25. April 2013

Pressespiegel auf film-zeit.de

Bei dem folgenden Trailern bitte ich zu beachten, dass ich sechs der gezeigten Szenen in der Kinofassung, die ich zu sehen bekam, nicht entdecken konnte!

One Response to “Scary Movie 5”

  • Denis says:

    Danke für die Bestätigung. Hab mich ähnlich in dem Film gefühlt. Gleiches gilt für den subtilen Humor: das kleine Mädchen, dass ihre Puppe per Waterboarding zum Reden bringen will, das sind die kleinen feinen Szenen. Aber die ewigen Sex/Drogen/Kacki Witze gehen einem auf die Nerven. Das ist ja in „Ghost Movie“ von den Wayans Brüdern (den Erfindern von „Scary Movie“) nicht anders.

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