Side Effects

by on 02/13/2013

Die Kritik erschien ursprünglich auf dem Festival Blog SophiesBerlinale.

© Berlinale

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Schon bei der letzten Berlinale hat mich Steven Soderbergh begeistert. Nicht weil Haywire so eine immense filmische Offenbarung gewesen wäre, sondern weil sowohl der Film als auch der Regisseur so angenehm unproblematisch daherkamen. Versteht mich nicht falsch: Ich schätze es, wenn Filme auf gesellschaftliche Missstände hinweisen, aber manchmal wollen wir doch auch einfach nur unterhalten werden, oder nicht?!

Side Effects ist einer dieser Filme, der von seinen unvorhergesehenen Wendungen lebt und zu dem man daher lieber nicht zu viel schreibt. Vielleicht sage ich nur so viel: Der Titel ist ein wenig irreführend, denn er bezieht sich lediglich auf das erste Drittel der Geschichte. In diesem Teil des Films kämpft Roony Mara als EmilyTaylor gegen starke Depressionen, die vor allem die Beziehung zu ihrem Ehemann (Channing Tatum) beeinträchtigen. Dabei hat dieser gerade erst seine Haftstrafe wegen Insiderhandels abgesessen. Damit sie gemeinsam in ein neues Leben starten können, lässt sich Emily von ihrem Psychiater (Jude Law) Antidepressiva verschreiben. Doch die Drogen haben unvorhergesehene Nebenwirkungen: Emily verliert vollkommen die Kontrolle und begeht eine schreckliche Tat. Wer trägt dafür die Schuld? Der Arzt, die Pharmaindustrie, oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

Drehbuchautor Scott Z. Burns und Regisseur Steven Soderbergh lenken den Verdacht geschickt von einer Person zur nächsten, so dass der Zuschauer nie weiß, wem in diesem Komplott eigentlich noch zu trauen ist. Wer der Täter und wer das Opfer ist ändert sich mit jedem der zahlreichen Plottwists. So bleibt die Geschichte bis zur letzten Minute spannend. Steven Soderbergh hat keinen Film über die bösen Pharmakonzerne oder über die Volkskrankheit Depression gedreht. Er hat einen Unterhaltungsfilm gemacht, denn – so seine Aussage bei der Pressekonferenz – am Ende seiner Karriere möchte er nur noch Filme machen, die ihm und seinem Publikum Spaß machen. Und ich finde das vollkommen legitim. Es muss nicht jeder Film zu Grundsatzdiskussionen führen und Weltveränderer auf den Plan rufen.

Immerhin machen uns die Macher von Side Effects durchaus auf ein Problem unserer Zeit aufmerksam. In unserem Kampf gegen das Unglücklichsein, das im Grunde doch zum Leben dazu gehört, neigen wir dazu „Abkürzungen“ zu nehmen, wie es Jude Law formulierte. Hierzulande wird nicht öffentlich für Antidepressiva geworben. In den USA jedoch ist das anders. Den Leuten wird eine geradezu magische Heilung versprochen, so dass sie über eventuelle Nebenwirkungen in ihrer Verzweiflung gerne hinwegsehen. Gleichzeitig stellen Psychopharmaka für viele Menschen aber auch einen Weg zu mehr Lebensqualität dar. All das thematisiert Side Effects durchaus, aber eben ohne die moralische Keule zu schwingen und uns ständig mahnend an den Ernst der Lage zu erinnern.

Ich finde das gut. Mich hat Side Effects unterhalten. Steven Soderbergh macht als Regisseur wie gewohnt einen guten Job und setzt den Psychotriller gekonnt in Szene. Das ist spannend, manchmal beängstigend und macht vor allem großen Spaß. So darf Kino gerne öfter sein und ich hoffe sehr, sehr stark, dass Herr Soderbergh seine Ruhestandsdrohungen nicht in die Tat umsetzt.

Pressespiegel auf film-zeit.de

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