Ich kam, sah und sneakte Smashed

by on 04/12/2013

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Ich wollte Filmosoph werden! Es gibt daher von mir nun wöchentlich die Kolumne „Ich kam, sah und sneakte“ über die Sneak-Preview meines Vertrauens im Cinestar am Potsdamer Platz: Originalton, kein 3D und vor allem ein ziemlich gutes Publikum für Sneak-Verhältnisse. Daher möchte ich nicht nur jede Woche hier etwas über den Film schreiben, den ich gesehen habe, sondern auch etwas zu der Stimmung, um danach den Propheten zu spielen und zu sagen, wie erfolgreich der Film wohl in Deutschland im Kino laufen wird.

Vorhang noch zu

Ich bin sehr oft in der Sneak, die immer Donnerstags um 20 Uhr ist. Meistens begleitet mich Michael, der im Filmbusiness als Script/Continuity arbeitet und dessen Meinung ich sehr schätze. Was macht soviel Spaß an der Sneak? Naja ich werde es so beschreiben, wie ich es erlebe, denn so ist es hoffentlich am besten nachvollziehbar. Du kaufst dir eine Karte, holst dir eventuell noch was zu Essen und zu Trinken, lässt dir deine „Treuekarte“ abstempeln (die sechste Sneak ist frei) und lässt dich gemütlich in den Sessel fallen. Man hat natürlich keine Ahnung was kommt und das macht den großen Reiz aus. Meine Tipps waren für heute: Mama, also etwas gruseliges oder vielleicht doch The Guilt Trip? Lachen schadet ja nie und ich mag Seth Rogen. Man muss immer mit allem rechnen, aber meistens kommt es dann doch vollkommen anders und so auch heute. Zuerst aber wird man auf die Folter gespannt , denn es wird vorher Quiz-Show gespielt. Vor jeder Sneak werden Fragen gestellt, bei denen man dann Freikarten für die Sneak oder manchmal auch andere tolle Dinge gewinnen kann. Meine Ausbeute heute: Eine Frage richtig beantwortet. (In welchem Film spielt Matt Damon demnächst mit einer Glatze im Kino? → Elysium) Also brauche ich nächste Woche schon mal nichts bezahlen, das ist gut. Die Fragerunde macht immer wieder Spaß und lockert alles ein wenig auf.

Vorhang auf!

© Sony Pictures

© Sony Pictures

Dann macht sich eine knisternde Stimmung breit, wenn die Verleiher im Bild erscheinen. Man hört die ersten Tipps welcher Film das wohl sein könnte, die sich flüsternd durch die Reihen schleichen, aber heute ist es wahrlich schwer. Erst als ich Aaron Paul im Bett liegen sehe (ich bin großer Breaking Bad Fan und weiß, dass er letztes Jahr beim Sundance Festival war) weiß ich, dass es sich um Smashed handelt. Man merkt, dass die meisten nicht wissen, was sie dort sehen. Klar, das Interesse am amerikanischen Indie-Film ist nicht allzu groß. Aber in dieser Sneak kommen auch diese öfters mal vor und das mag ich ja auch. Im Film geht es um ein junges Ehepaar (wunderbar besetzt mit Mary Elisabeth Winstead und eben Aaron Paul), die sich feuchtfröhlich durch den Alltag trinken. Irgendwann ist Kate (so heißt Winsteads Rolle) so weit, um sich einzugestehen, dass sie Alkoholikerin ist. Mit den Anonymen Alkoholikern verändert sich dann ihr Leben. Der Film hat am Anfang wunderbar subtilen Humor, wenn sich die beiden zusammen betrinken und dann im Schnecken-Tempo mit dem Fahrrad ihren Heimweg antreten. Scheinbar empfinden dies aber nur Michael und ich so – ok vielleicht ein paar andere auch noch – aber insgesamt ist es recht still im Kino. Das bleibt auch die ganze Zeit so, außer vielleicht bei ein paar versauteren Momenten, wenn ein Arbeitskollege (Parks and Recreation Fans werden sich freuen, denn die Rolle wird gespielt von Nick Offerman) Kate auf sehr ausführliche und bildliche Weise beschreibt, was er gerne so mit ihr machen würde. Bei solchen Momenten wachen ja ganz gerne die meisten Kinogeher wieder auf. Aufwachen ist hier übrigens passend beschrieben, denn einige Sessel neben mir sind wirklich ein paar am Schlafen. Schade eigentlich, denn sie verpassen einen tollen Film. Einige Charaktere kamen mir wohl ein wenig zu kurz und er hatte auch ein paar Längen, aber insgesamt war es ein toller Indie-Film mit sehr guten Charakteren, die nachvollziehbar und sympathisch waren. Mary Elisabeth Winstead hat sich als sehr wechselbar und facettenreich dargestellt und Aaron Paul war gewohnt großartig. Das Publikum ist da in seiner Gänze aber anderer Meinung. Die sind alle irgendwie eingelullt und man hört später Wörter, wie „langweilig“, „passiert doch nichts“ und so weiter. Typische Reaktionen von Leuten, die nicht so sehr an ein Indie-Kino gewöhnt sind.

Vorhang zu!

Film-o-meter: Ich fand ihn gut und gab ihm eine 7, aber Michael war sogar begeistert und kreuzte die 9 auf dem Film-o-meter an.

Sneak-o-logie: Die sind da alle Reihenweise weggeratzt und viele sahen sehr gelangweilt aus. Das verspricht also nicht viel für das Kinorelease in Deutschland. Hier in Berlin wird er wahrscheinlich in einem oder vielleicht auch zwei Kinos laufen, aber natürlich nicht in den großen Multiplexen. Fans des amerikanischen Indie Kinos sollten sich den Film aber vormerken.

Satz des Abends: Dieser fiel heute mal nicht im Zusammenhang mit dem Film, sondern bei dem Trailer zu dem Disney Natur-Dokumentarfilm Chimpanzee. Jede Menge Affen springen durchs Bild und Michael haut den schönen Satz raus: „Am Ende ist es doch sowieso alles Andy Serkis.“ Herrlich.

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