Spannung, Spaß & viel Gefühl mit dem Dino-Baby

by on 03/27/2013

Flattr this!

© Buena Vista Home Entertaiment

© Buena Vista

Es ist dunkel, Regen prasselt vom Himmel herab und ein undefinierbares Beben lässt die eh schon unheimliche Situation noch ein Stückchen bedrohlicher wirken. Plötzlich prescht aus dem Unterholz ein riesiges Ungetüm mit scharfen Zähnen und lautem Gebrüll hervor, bereit, alles Lebendige zu zerfleischen, was ihm über den Weg läuft.

Filmfans (und vermutlich nicht nur die) werden schon erkannt haben, dass es sich bei dem Ungetüm um den Tyrannosaurus Rex handelt und die beschriebene Szene aus Steven Spielbergs Meisterwerk Jurassic Park stammt. Dieser Film hat bis heute maßgeblich Einfluss auf das landläufige Bild der Urzeitechsen ausgeübt. Wer an Dinos denkt, wird sehr wahrscheinlich den furchteinflößenden T-Rex, die gleichermaßen cleveren wie gefährlichen Velociraptoren oder die kleinen giftspuckenden, kragentragenden Dilophosaurier vor dem inneren Auge haben. Dass Aussehen, Verhalten und Fähigkeiten dieser Tiere mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht unbedingt deckungsgleich sind, stört die meisten Menschen nicht. Jurassic Park ist eh nur ein Film und Dinos sowieso schon lange ausgestorben, also ist es ja Wurst, ob man’s genau nimmt.

Unabhängig davon ist die Gattung der pflanzenfressenden Saurier in Steven Spielbergs Film relativ unterrepräsentiert. Okay, ein Triceratops hat Verdauungsprobleme, ein langhalsiger Brachiosaurus (zumindest scheint es einer zu sein) fetzt seinen Schnodder raus und ein paar andere harmlose Vertreter dürfen durch die Landschaft wackeln, aber alles in allem sind die Fleischfresser die Stars des Films. Dadurch haben Dinosaurier einen eher schlechten Ruf, sie gelten gemeinhin als blutrünstige Monster, auch wenn viele von ihnen mehr an überdimensionierte, entspannte Rindviecher erinnern.

© Buena Vista

© Buena Vista

Dass Dinosaurier die Bösen sind, die unerbittlich Jagd auf den Menschen machen, hat im Film Tradition. Schon alte Stop-Motion-Klassiker  wie Panik in New York, Als Dinosaurier die Erde beherrschten oder Gwangis Rache zeigten nur die schlechten, menschenfressenden Seiten der Urzeittiere. Wenn die Macher von Baby – Das Geheimnis einer verlorenen Legende sich an diesen filmischen Vorbildern und an der Mokele-Mbembe-Sage orientiert hätten, wäre sicherlich wieder ein Werk über blutrünstige, prähistorische Monster herausgekommen. Da Jurassic Park aber noch lange nicht in Planung und die Zeit der Dino-Heuler abgelaufen war, wurde aus Baby – Das Geheimnis einer verlorenen Legende ein Familienfilm wie er im Buche steht – inklusive Humor, Spannung, brutaler Niedlichkeit, Kitsch, Taschentuchmomenten und obligatorischem Happy End, alles natürlich kindgerecht.

Hier kurz die Story: Seit langer Zeit ist Dr. Eric Kiviat (Patrick McGoohan) im Regenwald von Afrika auf der Suche nach dort lebenden Brontosauriern. Um die Sensation perfekt zu machen und zumindest eines der Tiere einzufangen, hat er sich eine Privatarmee aufgebaut. Die Paläontologin Susan Matthews-Loomis (Sean Young) und ihr Mann George (William Katt) entdecken die Dinos aber zuvor. Wie sie feststellen, handelt es sich um eine Familie, bestehend aus Mutter, Vater und einem Baby. Der böse Dr. Kiviat kommt den Urzeitwesen jedoch auch auf die Spur. Die von ihm befehligten Söldner töten den Sauriervater und nehmen die Mutter gefangen. Das süße Baby bleibt alleine zurück. Die Loomis’ nehmen sich des kleinen Dinos an und wollen auch noch dessen Mama befreien – nicht ohne dabei in Gefahr zu geraten.

© Buena Vista

© Buena Vista

Der Film basiert auf der Legende des Mokele-Mbembe, ein großes Tier, das im Urwald Zentralafrikas leben soll und sein Territorium mit allen Mitteln verteidigt. Von dieser Überlieferung hat sich das Drehbuch weit entfernt. Eine ziemlich friedliche Bronto-Familie passt nicht zur Sage der Ureinwohner – dafür aber zum Tenor dieses Films: Respekt vor der Natur, vorgetragen in leicht verständlicher Bildsprache. Klingt negativ? Ist aber gar nicht so gemeint. Baby – Das Geheimnis einer verlorenen Legende soll in erster Linie Kinder ansprechen, ihnen wichtige Botschaften vermitteln. Das wird auf eine Weise gemacht, die sich in der Tradition Disneys bewegt – kein Wunder, steckt doch tatsächlich der Multikonzern hinter dem Urzeit-Revival.

Für viele Erwachsene ist ein solcher Film wahrscheinlich ein bisschen zu plakativ, zu offensichtlich auf Gefühl getrimmt, kurz gesagt: zu Disney-like. Dennoch kann dieses CGI-freie Werk von Regisseur Bill L. Norton, sofern man sich darauf einlässt, erstaunlich gut unterhalten. Und wer diesen Film schon seit Kindheitstagen kennt, der wird sowieso verzückt dahinschmelzen, wenn das putzige Saurierbaby über die Mattscheibe stapft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 4+4=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.