Steffen Hornung über Parked, Dualfilm & den Weg zum Film

by on 11/29/2012

Flattr this!

filmosophie hinter den Kameras: Ich suche das Gespräch mit jungen Filmemachern aus unterschiedlichen Bereichen. Wie wird man eigentlich Regisseur, Produzent, Cutter oder Filmmusiker? Und wie viel Spaß machen diese Traumjobs letztendlich wirklich?

Den Anfang macht Steffen Hornung, der mit seinem neu gegründeten Verleih Dualfilm am 29. November 2012 den Film Parked in unsere Kinos bringt.

Bei der deutschen Premiere von „Parked“
v.l.n.r.: Simon Erasmus (Arthaus Filmtheater Stuttgart), Darragh Byrne (Regisseur), Steffen Hornung (Dualfilm Verleih), Colm Meaney (Hauptdarsteller), Richard Kilian (Dualfilm Verleih)
© Dualfilm Verleih / Kai Fischer

filmosophie: Euer Filmverleih Dualfilm ist ja aus einer Produktionsfirma hervor gegangen. Wie hat das damals angefangen? War es immer Dein Traum, diesen Beruf zu ergreifen?

Steffen Hornung: Der Wunsch, im Filmbereich zu arbeiten, war früh da. Schon im Teenager-Alter. Mit so typischen Stationen wie Jobben als Filmvorführer, Praktika am Set, Ablehnungen von Filmhochschulen… Mein Problem war vielleicht immer, dass ich mich nie recht festlegen wollte. Ich hab mich im Kamera-Department probiert, an Visual Effects, im Produktionsstab, später vermehrt auf der konzeptionellen Seite. Als es dann irgendwann an der Zeit war, sich ernsthaft mit der weiteren beruflichen Entwicklung auseinanderzusetzen, klang die eigene Produktionsfirma sehr verlockend. Ich profitiere mittlerweile davon, viele Bereiche zu kennen.

filmosophie: Woher kam die Idee, einen Filmverleih zu gründen?

Steffen: Wir haben bereits bei der Gründung die Vermarktung von Filmen mit in unsere Zielsetzung genommen. Wie lange es dauern wird, wussten wir natürlich nicht. Wir sind pragmatisch an die Sache gegangen. Eine Grundlage schaffen, die direkt Umsätze bringt, und dann in die Bereiche vorstoßen, für die man erstmal einen langen Atem braucht. Etwas, das unsere Liebe zum Film doch besser widerspiegelt als werbebezogene Auftragsarbeiten. Wir sind zwar die Generation des Digitalzeitalters und der neuen Medien, aber Film gehört für mich einfach immer noch ins Kino. Wir haben natürlich überlegt, ob es überhaupt noch einen Platz für uns als neuen Verleih gibt. Klar, es wird oft von Übersättigung und zu vielen Startterminen gesprochen. Trotzdem bietet, denke ich, gerade die Vielfalt an kleineren Verleihern überhaupt erst die Chance, eine echte Vielfalt an Filmen abseits des Mainstreams hervorzubringen. Man mag eine Neugründung als unliebsame Konkurrenz sehen, aus meiner Sicht ist es aber doch eher eine weitere Bereicherung.

filmosophie: Worauf kommt es Deiner Meinung nach im Beruf eines Produzenten/Verleihers an? Welches sind die wichtigsten Voraussetzungen und Fähigkeiten? Mit welchen Schwierigkeiten muss man sich auseinandersetzen?

Steffen: Verrückt genug sein, sich darauf einzulassen. Wer von einer Glitzerwelt träumt, wird bestimmt enttäuscht sein. Im Arthouse-Bereich hängt man ja an jedes Projekt, das man macht, sein Herz. Und geht vielleicht teilweise höhere Risiken ein, als gesund wäre. Ich denke, da steht jeder mal da, und fragt sich, warum er nicht was „Anständiges“ geworden ist. Aber andererseits würde ich es gar nicht anders wollen.

© Dualfilm Verleih

filmosophie: Warum habt Ihr ausgerechnet Parked als Euren ersten Film ausgesucht? Was ist das Tolle/Besondere an diesem Film?

Steffen: Der Film trifft genau das, was wir machen wollen. Unterhaltsam, berührend und doch mit ernsthaftem Hintergrund. Mit tollen Schauspielern! Und dann auch noch ein Erstlingswerk (okay, der Regisseur hat vorher schon Dokumentarfilme gedreht, aber trotzdem). Wir sind selbst Nachwuchs, wir wollen daher gerne eine Plattform für den Nachwuchs sein.

filmosophie: Wovon träumst Du in Hinblick auf Dualfilm? Was sind Deine Ziele?

Steffen: Ich hoffe natürlich, Filme und Stoffe zu finden, die nicht nur uns, sondern auch das Publikum überzeugen. Ziel im Verleih sind zunächst 2-4 Filme pro Jahr, die aber dafür gut ausgewählt und mit vollem Einsatz herausgebracht. Als Firma bleiben wir mehrgleisig. Das macht uns unabhängiger. Dabei soll auch verstärkt die Arbeit als Co-Produktions-Partner und in der Stoffentwicklung seinen Platz finden.

filmosophie: Zuletzt die filmosophie.com-Standardfrage: Welche vier Filme kannst Du Dir immer wieder ansehen und warum?

Hm. Ich bin gar nicht der Typ, der sich Filme zigfach ansieht. Selbst wenn ich sie grandios finde. Vielmehr genieße ich es, schon rein beruflich ständig neue, unbekannte Filme zu sehen. Es gibt so viele davon. Und selbst bei der DVD-Sammlung zuhause, die wird eher bemüht, wenn ich anderen Leuten bestimmte Filme nahelegen will. Jetzt vier Stück auszuwählen würde dem Rest nicht gerecht werden. Fange ich erstmal eine Liste an, wird sie sicher länger. Ich persönlich sehe mir tolle Filme auch lieber im Kino an, aber da eine Wiederaufführung zu erwischen, ist nicht einfach. Ich komme sowieso schon zu wenig ins Kino…

 

Lieber Steffen, wir Danken Dir sehr herzlich für dieses Interview und wünschen Dir und Dualfilm weiterhin alles Gute. Und uns wünschen wir, dass ihr noch viele Filme wie Parked in unsere Kinos bringt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 6+1=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.