Steven Spielberg: „No Easy Day“ für die Gerüchteküche

by on 08/29/2012

© Universal

Erst vorgestern verbreitete sich das Gerücht, Steven Spielberg würde die Tötung von Osama bin Laden verfilmen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit, erste Diskussionen wurden laut. Und gestern wurde dem ganzen Zinnober ein jähes Ende beschert: Weder Steven Spielberg noch Dreamworks mitsamt Unterfirmen haben Interesse am Osama-Stoff. Dabei las sich das Gerücht, das von der New York Post in die Welt gesetzt wurde, doch durchaus glaubwürdig und verkaufsträchtig. Der ehemalige Navy Seal Offizier Mark Owen alias Matt Bissonnette habe sich mit Steven Spielberg und seinen Leuten von Dreamworks getroffen, um sein Buch No Easy Day verfilmen zu lassen. Da Spielberg in der Vergangenheit schon mehrfach umstrittene Projekte (München, Amistad, Schindlers Liste) realisiert hat, klang das gar nicht so abwegig. Und eine gute Schlagzeile, die den Verkauf des Buches schon vor dem Erscheinungstermin am 11. September zusätzlich fördert, ist es allemal. Schade nur, dass manche Gerüchte schon sterben, bevor sie überhaupt richtig gelebt haben. Geboren und gestorben durch die unerbittliche Rasanz des Internets.

Und genau darin besteht das eigentliche Problem. Natürlich bin ich wie jeder andere an Neuigkeiten interessiert, je neuer und spektakulärer, desto besser! Und genau diese Suchtbefriedigung liefert uns das Internet Stunde um Stunde, schneller und immer schneller. Es ist eigentlich ein Wunder, dass wir überhaupt die Zeit finden, uns über die eigentlichen Inhalte Gedanken zu machen, denn Gerüchte wollen schließlich auch verbreitet werden. Und gerade im Filmbusiness gibt es eine unendliche Vielzahl an Gerüchten, auch wenn ich seit kurzem jegliche Neuigkeiten zum Thema Hunger Games bzw. Die Tribute von Panem strikt ignoriere. Anfang des Monats wurde zum Beispiel heiß diskutiert, ob Ben Affleck bei der anstehenden Verfilmung zu Justice League Regie führen würde. Zum Glück kam zwei Wochen später die offizielle Entwarnung, Ben Affleck ist nicht mehr im Gespräch, dafür aber die Wachowski-Geschwister. Zwei weitere Beispiele aus diesem Monat will ich hier auch, aber nur am Rande erwähnen: Der neue Film von Angelina Jolie Cleopatra wird doch nicht von David Fincher verfilmt, dafür vielleicht von Ang Lee. Und der Gegenspieler von Robocop wird nicht Hugh Laurie mimen, vielleicht aber Clive Owen (vielen Dank an /Film!).

In einem gewissen Maß ist die Gerüchteküche im Internet auf alle Fälle genießbar und erfüllt damit ihren Zweck. Problematisch wird es meiner Meinung nach nur, wenn minütlich neue Gerüchte gesät werden. Alleinige Berechtigung dafür ist ganz klar die Suchtbefriedigung, denn es gibt nichts Uninteressanteres als die Neuigkeiten vom Vortag. Vor dem Internetzeitalter war dies zwar auch schon problematisch, aber in Zeiten von Twitter, RSS und Facebook verliert eine Neuigkeit schon nach Stunden an Relevanz und ein Gerücht spätestens nach dessen Widerruf oder einem neuen Gerücht zum gleichen Thema. Und durch dieses ständige Aufkochen, wie im Falle Hunger Games, verliere zumindest ich das Interesse. Doch es scheint so zu sein, als wäre die Überinformationsflut jetzt allgemein Mode. Jedes Filmprojekt, egal ob groß oder klein, wird von den nie müde werdenden Augen der Internetgemeinde überwacht und gegebenenfalls „upgedated“. Und während man früher zumindest genug Zeit bis zum Druck einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung hatte, um sorgfältig Recherche zu betreiben, landet heutzutage alles augenblicklich im Netz.

Steven Spielberg hat für einen kurzen Moment sicher darüber nachgedacht, No Easy Day zu verfilmen. Aber wenn schon einen Tag später klargestellt wird, dass dem nicht so ist, wird Mr. Spielberg es wohl nicht sehr ernst gemeint haben und somit ist es eigentlich auch egal. Dennoch wird immer sofort alles als Tatsache in Betracht gezogen und da sich die Netzgemeinschaft inzwischen schon auf das Thema Verfilmung von No Easy Day eingeschossen hat, werden neue Gerüchte (Regie, Drehbuchautor, Besetzung etc.) nicht lange auf sich warten lassen. Bis zum endgültigen Starttermin in den Kinos stehen uns mit Sicherheit noch begrenzt relevante und unbegrenzt irrelevante Gerüchte bevor. Und eigentlich finde ich es auch etwas geschmacklos, überhaupt und dann auch noch so zügig dieses umglamouröse Kapitel der amerikanischen Geschichte zu verfilmen.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.