Stitches – Böser Clown

by on 02/24/2013

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© Universal

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Sie tragen dick Schminke im Gesicht, haben buschige Haare, riesige Schuhe, ausgebeulte Hosen und eine runde rote Nase im Gesicht. Spaßmacher von Berufs wegen, engagierte Dussel, Künstler im Auftrag der Komik, kurz gesagt: Clowns. Doch das Bild des dummen August ist seit jeher nicht nur positiv besetzt. Die Narren lösen  bei vielen Menschen ein Angstgefühl, manchmal sogar richtiggehend Panik aus. Warum nur? Verkleidete Männer, deren wahre Identität hinter der Puderquaste nicht mehr zu erkennen ist und die sich bevorzugt im Dunstkreis von Kindern aufhalten wecken verständlicherweise wenig Sympathien – zumindest dann, wenn der Spaßvogel als ein ebensolcher potenzieller Verbrecher im bunten Fummel betrachtet wird. Coulrophobie, so der Fachausdruck für krankhafte Angst vor Clowns, ist zwar nicht weit verbreitet, aber doch in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Selbst große Stars bekennen sich zu dieser Furcht. Einer der berühmtesten Phobiker ist – sofern auf verschiedene Quellen vertraut werden darf – ironischerweise Schauspieler Johnny Depp, der das Tragen von Make-up, das ihm oft einen clownesken Look verleiht, zum persönlichen Stilmittel erhoben hat.

Dass sich die verkleideten Komiker ideal als Horrorfiguren eignen, liegt somit auf der Hand. In zahlreichen Filmen haben Clowns keine Freude verbreitet, sondern für Angst und Schrecken gesorgt: Pennywise in Stephen Kings Es; der mordlüsterne Killjoy in der gleichnamigen Slasherfilm-Reihe; Captain J. T. Spaulding in Rob Zombies Haus der 1000 Leichen und The Devil’s Reject – drei von unzähligen Beispielen für fiese, angemalte Fratzen.

Braucht es da denn noch einen wahnsinnigen Witzbold? Ja! Sofern es sich um einen wie Richard „Stitches“ Grindle handelt! Die Titelfigur der britischen Horrorkomödie hat nämlich das Zeug dazu, zu einem der kultigsten Killer-Clowns der Filmgeschichte zu avancieren. Zunächst möchte ich euch aber kurz die Geschichte von Stitches – Böser Clown schildern, damit ihr wisst, worum es in diesem Film denn geht:

Der heruntergekommene Partyclown Stitches (Ross Noble) wird für den Geburtstag des kleinen Tom engagiert. Die Fähigkeiten des zotigen und verbitterten Narren sind armselig, und die Kinder auf der Party sind kleine Tyrannen – eine schlechte Mischung. Während Stitches sich mehr schlecht als recht durch seine Aufführung laviert, machen die Kids ihm durch ungehobeltes Benehmen und fiese Streiche das Leben noch zusätzlich schwer. Ein paar zusammengebundene Schnürsenkel und ein zielgerichtet ins Gesicht geworfener Ball führen schließlich zur Katastrophe: Stitches fällt auf ein Messer, das sein Auge durchbohrt. Das traurige Ende des Clowns… oder etwa doch nicht? Tom beobachtet nach der Beerdigung von Stitches ein seltsames Ritual, durchgeführt von Clownkollegen. Jahre später: Die Kinder von damals sind nun Teenager. Tom (Tommy Knight) leidet immer noch unter Angstzuständen. Dennoch schmeißt er an seinem Geburtstag wieder eine Fete – die erste seit dem Unfall. Dutzende Leute kommen, darunter auch all diejenigen, die einst dabei waren, als Stitches das Zeitliche segnete. Lange Rede, kurzer Sinn: Stitches steigt am Tag der Party aus seinem Grab, um sich an seinen Peinigern zu rächen.

Die Story wird, das steht fest, keinen Originalitätspreis gewinnen. Die Genrekonventionen werden hier strikt eingehalten, inklusive einer Auswahl an Figurenklischees, die wohl in keiner Horrorproduktion fehlen dürfen. Stitches – Böser Clown kann allerdings als Reminiszenz an die großen Vorbilder des Genre verstanden werden. Die Hauptfigur Stitches erinnert bestimmt nicht nur zufällig an den berühmten Schlitzer Freddy Krueger aus der Nightmare on Elm Street-Reihe. Writer/Director Conor McMahon hat mit Stitches einen Charakter erschaffen, der in der Tradition des vernarbten Klingenhandschuhträgers auf Mördertour geht – stilecht stets mit einem lockeren Spruch auf den Lippen.

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Dass Stitches – Böser Clown nicht zur schnöden Kopie bereits da gewesener Horrorfilme verkommt, liegt an den mit Verve zelebrierten und tiefschwarzen Humor eingefärbten Splatter-/Gore-Effekten. Da werden Därme wie Luftballons gebraucht, Schädeldecken mit Dosenöffnern geknackt und Köpfe bis zum Platzen aufgepumpt. Nicht selten ist das äußerst eklig, aber durch die extreme Überzeichnung und das schon beinahe visualisierte Augenzwinkern zu keinem Zeitpunkt bedenklich. Auf eine ganz spezielle Weise ist das alles eigentlich ziemlich komisch.

Perfekt ist Stitches – Böser Clown trotz einiger hervorragender Szenen und eines ansprechenden technischen Niveaus aber nicht. Dem Drehbuch fehlt es an Raffinesse, an manchen Stellen scheint es schlicht schlampig ausgearbeitet. Der Verweis auf den Reminiszenz-Charakter, der Stitches – Böser Clown inhärent ist, zieht in diesem Fall auch nicht. Das trifft ebenso auf die übertrieben klischeehafte Figurenzeichnung zu. Das mag Absicht sein und soll wohl als Gag verstanden werden, nervt aber dennoch mit der Zeit.

Wer seine Filme jedoch brachial-komisch und radikal-blutig mag, der wird um Stitches – Böser Clown auf kurz oder lang nicht herumkommen. Diese irische Genreperle – genauer gesagt die fiese Titelfigur – hat das Zeug zum Dauerbrenner. Es würde mich nicht wundern, wenn Stitches noch ein paarmal als ungebetener Partygast auftauchen und dabei das ein oder andere blutige Kunststück vorführen wird.

VERKAUFSSTART: Bereits erschienen am 21. Februar 2013

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