Ted

by on 07/20/2012

© UPI

Pass auf, was Du Dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen! Das hätte vielleicht jemand dem kleinen John sagen sollen, als dieser sich aus Mangel an echten Freundschaften wünscht, sein Kuscheltier Teddy solle zum Leben erwachen. Sein Wunsch ist den höheren Mächten Befehl und plötzlich kann das Plüschtier nicht nur den eingespeicherten Satz „Ich hab Dich lieb“ von sich geben, sondern agiert wie ein echter kleiner Junge.

30 Jahre später ist nicht nur John (Mark Wahlberg), sondern auch Teddy, jetzt Ted genannt, erwachsen geworden. Wobei „erwachsen“ hier ein dehnbarer Begriff ist, denn so richtig wollen die beiden Männer ihrem Alter nicht gerecht werden. Obwohl John inzwischen seit vier Jahren mit seiner Freundin Lori (Mila Kunis) zusammen ist, verbringt er seine Freizeit noch immer am liebsten mit Ted kiffend auf der Couch. Gemeinsam frönen sie der nostalgischen 80er-Jahre Unterhaltung mit ihrem Lieblingsfilm Flash Gordon und ergehen sich in postpubertärem Zwangsvulgarismus. Insbesondere Ted nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit dem vierten Jahrestag beginnt Lori sich jedoch nach einer ernsthafteren Beziehung zu sehen, die ihrer Meinung nach nur durch eine gesunde Distanz zwischen den beiden Buddies zu erreichen ist. Kurzum: Ted muss ausziehen. Kann die Freundschaft der beiden, diese Veränderung überstehen? Und gelingt es John wirklich „erwachsen“ zu werden und Verantwortung für sich und seine Beziehung zu übernehmen?

Bereits das einleitende Voice-Over etabliert den Stil des Films, hinter dem niemand anderer als Family Guy Schöpfer Seth MacFarlane steckt. Auf der einen Seite märchenhaft, gleichzeitig hemmungslos derb kommt diese Erwachsenenkomödie daher, zielt mit dem Humor treffsicher unter die Gürtellinie und schießt dabei ab und an gar über das Ziel hinaus. Auch wenn ich persönlich ein Fan politisch unkorrekter Witze bin, fragte ich mich im Nachhinein doch, ob Hodenkrebs ein Thema ist, über das wir lachen sollten. Die Figur des sprechenden Teddys ist dabei für das Konzept unabdingbar, denn ohne die ironische Distanz, die dieses gänzlich absurde Element bietet, wäre Ted zu einem platten und letztendlich austauschbaren Film geworden. Die eigentliche Geschichte, ein Mann, der nicht erwachsen werden will und darüber fast die Liebe seines Lebens verliert, wird hier mitnichten zum ersten Mal erzählt. Nur durch die Figur des Ted bekommt dieses ausgelutschte Thema eine neue Nuance.

Oft geht das Rezept von Seth MacFarlane auf: Das Publikum grölt über den vulgären Teddy. Es ist natürlich gerade die Diskrepanz zwischen kuschliger Spielzeugfigur und derben Aussprüchen, die Humor erzeugt. Stellenweise wirken seine Pöbeleien jedoch etwas gewollt. Es muss immer noch böser, noch versauter werden. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildet eine Partyszene, in der alles derart drunter und drüber geht, dass auch die Existenz des sprechenden Teddys nicht mehr verhindern kann, dass der Film unangenehm in Richtung Klamauk abgleitet.

Der postpubertäre Humor ist jedoch nicht das einzige, das durch die ironische Distanz erträglich wird. Auch der romantisch-komödiantische Kitsch der Lovestory ist plötzlich zu verschmerzen. Irgendwie fällt es uns leichter zu akzeptieren, dass jemand über das Schicksal seines Teddys weint als über den Verlust der großen Liebe. Dabei spielt es für die Geschichte im Grunde überhaupt keine Rolle, dass Ted ein Stofftier ist. Die Menschen haben ihn längst als Teil der Normalität angenommen und es könnte sich bei diesem Charakter genauso gut um einen menschlichen Best-Buddy der Hauptfigur handeln. Aber dann würde sich der Film nur noch marginal vom sexualisierten Teeny-Humor der American Pie Reihe unterschieden.

Was die Storyline angeht, hat sich Seth MacFarlane meiner Meinung nach verkalkuliert. Mit fast zwei Stunden ist diese Komödie einfach zu lang. Vermutlich um bei aller Romantik noch ein wenig Action einzubringen, integriert MacFarlane mit Giovanni Ribisi einen fanatischen Bösewicht, der John den Teddy unbedingt für seine nicht minder mental beeinträchtigte Brut abkaufen will. An Giovanni Ribisis wirklich großartiger und sehr humorvoller Performance liegt es definitiv nicht, dass ich auf diesen Subplot gerne verzichtet hätte.

Insgesamt wurde ich bei Ted mehrfach an Waynes World erinnert. Nicht nur der starke Bezug zu den 80ern, auch die Gastauftritte bekannter Stars (z.B.

Das filmosophie.com-Gefühlsblitzlicht ersetzt eine Wertung nach Punkten.

Ryan Reynolds als der „Typ, der so aussieht wie der Typ aus Green Lantern“) und der spezielle Humor zwischen Absurdität, Klamauk und Slapstick ließen mich an diesen Klassiker denken. Ich bezweifle jedoch, dass Ted ein vergleichbares Kultpotential entfaltet.

Ted ist definitiv ein Erwachsenenfilm. Und nicht nur das: Seth MacFarlane hat hier eindeutig ein männliches Publikum anvisiert. Ob sich „echte Kerle“ jedoch freiwillig mit einem Mann identifizieren, der bei Gewitter mit seinem Teddy kuschelt, sei mal dahingestellt. Ich habe mich auf jeden Fall amüsiert, auch wenn 90 Minuten Laufzeit meiner Meinung nach vollkommen ausgereicht und mir ein wenig mehr komödiantische Sensibilität dabei geholfen hätte, ohne schlechtes Gewissen mitzulachen.

KINOSTART: 2. August 2012

Pressespiegel bei film-zeit.de

 

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