The Colony – Dramaturgischer Frost

by on 10/22/2013

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© Splendid Film GmbH

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Die Erde in einer nicht allzu fernen Zukunft. Die mit der Umweltverschmutzung entstehende Erwärmung der Erde und die anschließenden Versuche des Menschen, mit Hilfe von Maschinen das Wetter zu regulieren und wieder zu normalisieren, haben eine neue Eiszeit geschaffen. Die letzten Überlebenden haben sich in Kolonien unter das Eis gerettet und so auch die Bewohner von Colony 7 um Sam (Kevin Zegers) und die beiden ehemaligen Waffenkameraden Briggs (Laurence Fishburne) und Mason (Bill Paxton), die die Führung der Kolonie übernommen haben. Im ihrem Bunker lagert Saatgut und sie bauen Gemüse an, sodass sie eine gute Grundlage haben, um zu überleben. Trotz der vorhandenen Rohstoffe werden die Lebensmittel sicher verwahrt, um das langfristige Überleben zu sichern. Auch wer krank ist oder die geringsten Anzeichen von Grippe zeigt, wird entweder in Quarantäne gesteckt oder gezwungen die Kolonie zu verlassen, um die anderen nicht zu gefährden.

Als eines Tages der Funkkontakt zu Colony 5 abbricht, entscheidet Briggs einen Trupp loszuschicken und so machen sich er, Sam und Graydon (Atticus Dean Mitchell) auf den beschwerlichen Weg durch die Eiswüste. Als sie dort ankommen, finden sie zu erst nur einen Menschen vor und erfahren, dass eine andere Kolonie es geschafft hat, den Effekt der Türme umzukehren und dort das Eis zu tauen beginnt. Kurz darauf finden sie jedoch heraus, dass die restlichen Bewohner der Kolonie durch den Nahrungsmangel zu wilden Kannibalen geworden sind und sich gegenseitig aufgegessen haben. Der Rettungstrupp schafft es, den wilden Bestien zu entkommen und kann sich in Colony 7 in Sicherheit bringen, doch es ist klar, dass die Kannibalen sie suchen werden, sie dort nicht mehr sicher sind und der einzige sichere Ort die Kolonie ist, wo das Tauen eingesetzt hat.

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Auch wenn die DVD mit dem Spruch „The Day After Tomorrow trifft auf 30 Days of Night“ beworben wird, der kanadische Film von Jeff Renfroe wird diesem Anspruch nicht gerecht – außer vielleicht, dass Kevin Zegers Josh Hartnett in Kostüm und Maske sehr nahe kommt. Science-Fiction, die in den meisten Fällen in der Zukunft spielt, ist immer ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft, der aktuellen Geschichte und deren Probleme, wie auch Elysium von Neill Blomkamp in Hinblick auf die Überbevölkerung und die Ressourcenknappheit schon eindrucksvoll gezeigt hat. Die Tatsache, dass die Umweltverschmutzung den Planeten und das Klima verändert und der Mensch, getrieben von seinem Hunger nach Macht über die Natur Maschinen baut, die das Wetter beeinflussen sollen und dabei die Situation eigentlich nur noch schlimmer machen, ist eine durchaus realistische Zukunftsvision. Das Gebäude von Colony 7 erinnert darüber hinaus nicht nur in seiner Idee als Saatgutspeicher sondern auch in seiner Gestaltung und Ausstattung an den real existierenden weltweiten Saatgut-Tresor, Svalbard Global Seed Vault, auf Spitzbergen in Norwegen. Doch das Thema will stellenweisen nicht sehr überzeugen, was vielleicht auch daran liegt, dass das Thema und seine Ausgestaltung – obwohl es eine Zukunftsvision ist – noch oder schon zu nah an unserer Gegenwart ist. Auch die Tatsache, dass manche Figuren wie Graydon, die im Film vermutlich circa Mitte 20 sind, nicht solche alltäglichen Dinge kennen wie einen Armeehubschrauber, der vor dem langen Winter noch im Einsatz war, ruft ein komisches Gefühl von Unlogik hervor, gerade weil das Thema gefühlt nicht 20 Jahre oder mehr in der Zukunft liegt oder liegen kann.

Leider ist die scheinbar unrealistische Zukunftsvision nicht das einzige Problem. Es braucht fast 45 Minuten und den ersten Zusammenstoß zwischen dem Hilfstrupp um Laurence Fishburne und den Kannibalen bis Spannung aufkommt. Bis dahin dümpelt die Geschichte vor sich hin. Darüber hinaus schafft es der Film nicht, die Geschichte oder genauer die Vorgeschichte mit visuellen Mitteln zu vermitteln, und so müssen die Figuren im Film immer wieder erzählen, wie es vor dem Winter war oder gar (stellenweise auch moralisch) erklären, warum (zweifelsohne richtig) die Menschen aus Colony 5 zu Kannibalen wurden. Das ist per se nicht falsch, man hätte sich aber eine elegantere Lösung gewünscht. Auch in der Gestaltung der Geschichte kann sich der Film stellenweise nicht entscheiden. Gerade in der Szene, als der Rettungstrupp die toten Körper der Kolonisten findet, kann sich der Film in seiner ästhetischen Bildgestaltung nicht zwischen Science-Fiction oder Splatter entscheiden.

Zwar sind die Effekte recht gut gemacht, jedoch beschleicht einen gleich zu Beginn mit den ersten Außenaufnahmen der schneebedeckten Welt das Gefühl von Videospielästhetik. Das scheint einen nicht mehr loszulassen und den Raum außerhalb der Gebäude so unecht und klein erscheinen, dass man fast das Gefühl hat, die Studiokulisse zu spüren, sobald die Bilder von digital animierten in reale Bilder wechseln. Jeff Renfroes Film startet mit einer guten Idee, scheitert aber am Ende an den eigenen, zu hohen Ansprüchen.

Verkaufsstart: 25. Oktober 2013

Wenn nur eine Handvoll Menschen überlebt. Eine Auswahl düsterer Zukunftsvisionen:

2 Responses to “The Colony – Dramaturgischer Frost”

  • Hallo,
    schön geschriebene Rezension.

    Bei mir persönlich kommt der Film aber ein wenig positiver Weg, wahrscheinlich weil die Thematik genau meinen Nerv trifft. Mir sagt die erste Hälfte des Films eigentlich mehr zu. Hab dazu auch etwas geschrieben: http://www.endzeitfilme.de/filme/the-colony-2013.html

    Viele Grüße!

    • dennis
      dennis says:

      Hallo Marcus,

      danke für das Kompliment. Bei mir ist es, gerade wegen der dramaturgischen Längen, das Gegenteil und der zweite Teil spricht mich mehr an – selbst wenn ich nicht Fan von Horror/Splatter bin. Die Thematik ist wie gesagt sehr interessant, aber ich fand es auch schade, dass man sich immer an den großen Blockbustern oder in dem Fall am „großen Bruder im Süden“ orientieren muss und nicht auf die eigene Idee vertraut.

      Viele Grüße

      Dennis

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