The Company You Keep

by on 06/11/2013

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© Concorde Filmverleih

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Als eines Tages die vom FBI gesuchte ehemalige radikale politische Aktivistin Sharon Solarz (Susan Sarandon) verhaftet wird, ändert sich auch das Leben von Jim Grant (Robert Redford).

Grant lebt mit seiner Tochter in einem Vorort von Albany und ist ein renommierter Anwalt für Bürgerrechte. Die friedliche Welt die sich Grant in den letzten 30 Jahren aufgebaut hat, beginnt zu wanken, als der junge und ehrgeizige Reporter Ben Shepard (Shia LaBeouf) herausfindet, dass Grant zusammen mit Solarz Teil der militanten Aktivistengruppe Weather Underground war, die in den 1970er Jahren gegen den Vietnamkrieg gekämpft hat. Grant wird darüber hinaus beschuldig bei einem Raubüberfall beteiligt gewesen zu sein, bei dem ein Wachmann getötet wurde. Ihm bleibt daher nichts anderes übrig als unterzutauchen und vorher seine Tochter in Sicherheit zu bringen. Die einzige Chance sein altes Leben wieder zu bekommen, besteht darin seine ehemalige Mitstreiterin Mimi Lurie (Julie Christie) ausfindig zu machen und sie zu überzeugen, sich an seiner Stelle zu stellen und dem FBI zu erklären, dass Grant an besagtem Überfall gar nicht beteiligt war. Und so macht er sich auf die Suche und reaktiviert wieder seine alten Kontakte aus der Untergrundorganisation. Doch nicht nur das FBI, sondern auch Shepard, der hier die Chance seines Lebens wittert, heftet sich an Grants Fersen.

Desto mehr Shepard aber Grant nahe kommt und desto mehr er recherchiert, merkt er jedoch, dass der Beweis seiner Unschuld nicht der einzige Grund ist, warum der Geflohene Mimi Lurie aufsuchen will und Grant seit 30 Jahren nicht nur seine wirkliche Identität verheimlicht hat, sondern auch ein weiteres Geheimnis für sich behalten hat.

© Concorde Filmverleih

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The Company You Keep zeichnet ein interessantes Stück amerikanischer Geschichte und vor allem auch eine interessante aktuelle gesellschaftliche Situation nach, in der die Aktivisten von damals noch immer verdeckt inmitten der Bevölkerung leben. Es ist ein ruhiger politischer Thriller, der auf die wilden Verfolgungsjagten, die Schlägereien und auf das Getöse heutiger Filme verzichtet und dabei an die Filme der 60er und 70er Jahre anknüpft, in denen die Geschichte das zentrale Element ist. Trotz einer sehr interessanten Wendung gegen Ende des Films, erreicht der Film nicht unbedingt die dramaturgische Raffinesse ähnlicher Filme wie z.B. Tinker Tailor Soldier Spy. Jedoch ist immer die nahende Gefahr und die sprichwörtliche Schlinge zu spüren, die sich immer enger um den Hals der Hauptfigur zieht und bietet dabei spannendes Kino. Auch die Figur von Shia LaBeouf, irgendwie ganz zeitgemäß im Hipster Outfit, erinnert an die Figuren Bob Woodward (Robert Redford) und Carl Bernstein (Dustin Hoffman) aus dem Film All the President’s Men von Alan J. Pakula aus dem Jahr 1976 und erscheint wie ein Hommage an den investigativen Journalismus und an eine Zeit, in der Gehirn und Verstand mehr Wert waren, als Muskelkraft und brachiale Gewalt. LaBeoufs Figur scheint dahingehend auch nicht so wie heutige Figuren, die von Macht und Geld getrieben sind. Zwar interessiert ihn als junger Journalist auch der berufliche Erfolg und bleibt aus diesem Grund Grant auch hartnäckig auf den Fersen, jedoch geht er dabei nicht über die sprichwörtlichen Leichen und ist am Ende sogar irgendwie geläutert – auch wenn die Entwicklung dieser Veränderung ein bisschen zu kurz kommt.

Der sonst immer für seine politische Aktivität bekannte Redford verzichtet im Film auch auf eine Heroisierung der Figuren und ehemaligen politischen Aktivisten. Er spricht sich weder für noch gegen die radikalen Aktionen aus. Während des ganzen Films merkt man, dass Jim Grant und die anderen Mitstreiter über ihre Aktionen von damals nachdenken. Stellenweise verteidigen sie sie noch und sehnen sich nach den Zeiten von damals, scheinen aber nicht mehr die überzeugten Radikalen von einst und sind vor allem nicht unbelehrbar. Hier besonders Grant, dem sein Familienleben wichtiger geworden ist als seine politische Überzeugung und erkannt hat, dass er älter geworden ist und mittlerweile andere Dinge in seinem Leben wichtiger geworden sind. Beispielhaft hierfür ist wohl die finale Verfolgungsjagd, in der Grant sich nach einem anfänglichen Versuch zu entfliehen dazu entscheidet, nicht mehr weg zu rennen. Auf der einen Seite weil er älter geworden ist und sein Körper nicht mehr mitmacht, auf der anderen Seite weil er nicht mehr weg rennen will. Im Film stellt sich somit für viele der Figuren die Frage, was für sie das Wichtigste im Leben ist oder genauer gesagt, was sie alles dafür tun würden. Am Ende findet jeder seine persönliche Antwort darauf.

Ich muss gestehen, dass mir der Film, mit seinen verschiedenen Anspielungen und seinen alternden „Helden“ (ironischer Weise nicht nur auf dramaturgischer Ebene, sondern auch aus Sicht der mitwirkenden Schauspielerriege, wie z.B. ein sichtlich gealterter Nick Nolte), stellenweise wie ein Verweis auf Robert Redfords Regietätigkeit schien. Da stellt sich die Frage, ob dies vielleicht sein letzter Film als Regisseur war und auch er – wie sein Alter Ego im Film – ein bisschen müde ist. Wir wollen es nicht hoffen.

Kinostart: 25. Juli 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

2 Responses to “The Company You Keep”

  • Marcel says:

    Hmm, bin eigentlich kein großer Redford Fan aber deine Kritik klingt ja doch ziemlich vielversprechend. Werde ich mir vielleicht doch anschauen! Besten Dank!

  • taste2me says:

    Gut geschrieben, Dennis! Wenn ich mir den Film angeschaut habe, werde ich hoffentlich selbst eine Antwort darauf finden, ob es gut ist, dass Robert Redford etwas müde geworden ist. Ich kann mich zumindest noch an einige seiner frühen Filme erinnern und finde es gut, dass mit „The Company You Keep“ wieder ruhige Politthriller in die Kinos kommen.

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