The Dark Knight Rises

by on 07/18/2012

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© Warner Brothers

Vorfreude ist die schönste Freude. Nie war dieser Satz so wahr wie in Bezug auf die ersehnte Fortsetzung von Christopher Nolans Batman Trilogie. Denn das Ergebnis gab deutlich weniger Anlass zur Freude als die Anspannung der letzten Monate. Wobei: Anlässe zum Lachen gab es viele. Ob das jedoch die geplante Wirkung des Films sein sollte, ist eine ganz andere Frage.

The Dark Knight Rises beginnt mit dem klassischen Dilemma eines Comic-Superhelden: Er wird mit dem Bösewicht verwechselt und in seiner märtyrerhaften Art zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück, um still und leise seine Wunden zu lecken. Doch das Böse schläft nicht, schon gar nicht in Gotham City. Denn im Untergrund treibt das personifizierte Böse, hier Bane (Tom Hardy) genannt, sein Unwesen und trachtet nach Zerstörung und Chaos. Bruce Wayne (Christian Bale) kann in Anbetracht dieser Gefahr nicht weiter tatenlos sein Haus hüten, sondern muss erneut in das Kostüm schlüpfen und mit technisch hochentwickelten Vehikeln durch die Stadt brausen. Leider vertraut er sich im Rahmen seines Comebacks den falschen Leuten an und muss schlussendlich – dann doch auch tatenlos – dabei zu sehen, wie Bane die Vernichtung der Stadt einleitet. Wird Batman es schaffen, den Bösewicht zur Strecke zu bringen? Und welcher Frau kann Mann in einer solchen Welt eigentlich noch trauen?

 

Sprache und Dialoge: Entschuldigen Sie, können Sie das noch mal wiederholen?

Zunächst gab es ja große Diskussionen um den sprachlichen Ausdruck von Bösewicht Bane. Zu unverständlich sei sein Genuschel. In der deutschen Synchronfassung, die unglücklicher Weise in der Pressevorführung gezeigt wurde, ist von diesen Problemen nichts mehr zu hören. Das ist aber mitnichten eine gute Nachricht! Denn statt bösartig vor sich hin zu grummeln, ertönen Banes Dialoge in einem haarsträubend überartikulierten Sprachduktus und einer geradezu gesungenen Sprachmelodie. So kann der Fiesling dem Zuschauer keine verängstigte Ehrfurcht einflößen, sondern verkommt unfreiwillig zu einer Witzfigur. Da auch Batmans übertrieben tiefe Synchronstimme in höchstem Grade artifiziell und pathetisch wirkt, liefern sich die beiden Gegner geradezu ein Sprachduell: Der Gewinner des Preises für die schlechteste Synchro bleibt aber ohne Frage Bane.

Überhaupt sind die Dialoge die Achillesferse von The Dark Knight Rises. Mir scheint, Christopher Nolan ist vom dümmsten Zuschauer ausgegangen, denn ständig meint er, dem Publikum das Gesehene erklären zu müssen. So handelt es sich bei vielen Gesprächen der Leinwandfiguren um unnötige Kommentare dessen, was ohnehin gezeigt wird. Um nicht zu spoilern, mal ein fiktives Beispiel. Man stelle sich vor, Bruce Wayne stünde mit Alfred (Michael Caine) an einer Ampel, die auf grün schaltet. Das Konzept von The Dark Knight Rises wäre es, den Diener sagen zu lassen: „Mr. Wayne, die Ampel schaltete soeben auf grün.  Sie dürfen die Straße nun überqueren.“ Klingt lächerlich? Genau das ist es. Um mich herum wurde das zaghafte Schmunzeln der Kollegen ab der Mitte des Films zu einem lauten Lachen. Und je mehr wir als Zuschauer über die unsinnigen Dialoge lachen, desto weniger können wir auch die Dinge ernst nehmen, die im Normalfall noch als mittelmäßig durchgehen würden. Wir lachen uns in einen regelrechten Rausch, in dem jedweder Ausspruch der Charaktere einen neuen, noch besseren Witz darstellt.

 

Charaktere: „Und welche Funktion hat Deine Kindheit so?“

Aber kommen wir zu den Charakteren. Bruce Wayne ist wie schon angedeutet der klassische Held, der Gutes will und darin niemals nie wert geschätzt wird. Damit er nicht so traurig ist, werden ihm zwei schöne Frauen (Anne Hathaway und Marion Cotillard) an die Seite gestellt, die recht gut konstruierte Charaktere vorweise können. Einzig authentisch bleibt in meinen Augen letztendlich aber Alfred, dessen emotionale Reaktion auf Batmans Rückkehr mich gar ein wenig gerührt hat. Rührung steht überhaupt ganz oben auf der Liste der geplanten Effekte. Hat Christopher Nolan eine schlimme Kindheit gehabt? Es würde mich nicht wundern, denn er wird nicht müde, in The Dark Knight Rises ein Kindheitsdrama nach dem anderen aufzurollen. Aber auch das hilft nicht dabei, seinem Bösewicht Glaubwürdigkeit zu verleihen. Bane ist im Grunde kein Mensch, er ist ein Symbol für das undifferenziert Böse. Ihn als eindimensionalen Charakter zu bezeichnen wäre geradezu noch ein Kompliment. Offensichtlich als funktionaler Antagonist konstruiert, bleibt seine Figur letztendlich vollkommen uninteressant. Amüsant ist übrigens auch der Auftritt eines Special Officers (Daniel Sunjata), der nicht in die Geschichte eingeführt wird und ebenso plötzlich verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Die fünf Minuten extra Handlung, die er dem Film beschert, sind vollkommen unnötig und stellen keinen Mehrwert für die Storyline dar. Bei einer Länge von fast drei Stunden hätte The Dark Knight Rises auf solchen Füllstoff durchaus verzichten können.

 

Ende gut, alles gut?

Das filmosophie.com-Gefühlsblitzlich ersetzt eine Bewertung nach Punkten.

Das Finale hat mich persönlich fast mit The Dark Knight Rises ausgesöhnt. Christopher Nolan belohnt uns nach haarsträubend unfreiwilliger Komik und konstantem Fremdschämen für seine Inszenierung mit einem gelungenen Handlungstwist. Bei allem Pathos ist seiner Auflösung doch ein gewisser Charme zuzugestehen, der mich zumindest ein wenig traurig darüber sein lässt, dass diese Trilogie hiermit ihr Ende gefunden hat. Immerhin kann The Dark Knight Rises trotz all seiner Mängel über die beträchtliche Laufzeit hinweg Spannung erzeugen und – wenn auch nicht immer freiwillig – unterhalten. Filmmusik und Special Effects machen den Film zu einem würdigen Popcorn-Kino-Erlebnis. Nichtsdestotrotz kann ich Christopher Nolan in Hinblick auf dieses Werk nur ein einziges ehrliches Kompliment machen: Danke lieber Christopher, dass Du uns die 3D-Version erspart hast und wir für diesen mittelmäßigen Schmus keinen Aufpreis zahlen müssen!

KINOSTART: 26. Juli 2012

Pressespiegel auf film-zeit.de

 

4 Responses to “The Dark Knight Rises”

  • Krischdl says:

    Liebe Filmosophie,
    kaum einer hätte es schöner formulieren können – Vorfreude war einfach die beste Freude.
    Man würde sich ja einen Helden wünschen, mit dem man mitfiebern kann, aber hier wünscht man sich ja fast, dass er auf die Fresse bekommt. Schade auch, dass (wieder einmal) trotz der durchaus patenten Frauengestalten im Vordergrund, beide Armeen fast (?) nur aus männlichen Gesichtsverleihern bestanden. Es ist doch immer wieder schade, wenn Filme diese kleinen Chancen einfach nicht wahrnehmen und immer wieder Buben und Mädchen in ihren althergebrachten Rollen reproduzieren.

  • quadzar
    quadzar says:

    Ich hatte erwartet, dass TDKR hinter dem Hype zurückbleiben würde (das Produkt hinter dem Marketingmonster musste wohl einfach kleiner sein). Jetzt ist es freudige Erwartung. Bei so viel unfreiwilliger Komik kann mich der Film nur unterhalten.
    Um den guten Ruf von Batman brauche ich mir bei solchen Kindergartendialogen auch keine Sorgen machen. Wird ja sowieso zeitnah rebootet.
    Sehr schöne und schmunzelwürdige Kritik!

  • Tolly says:

    Auch wir haben viel gelacht. Und die Comicfans haben sich für uns fremdgeschämt. War sehr schön. Allen voran fand ich den muskulösen Seilreicher im Gefängnis lustig: alle unterernährt, aber er war steroidgetränkt bis zu Halsschlagader. Und immer zur Stelle mit dem Seil.
    Auch schön: kaum ist Wayne pleite, wird ihm auch schon der Strom abgestellt. Zack! Ach, Nolan, …

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