The Greatest Movie Ever Sold

by on 04/18/2013

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© Turbine Medien

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Wenn ich schon bei der Musik des DVD-Menüs gut gelaunt vor dem Fernseher tanze, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Und so machte The Greatest Movie Ever Sold seinem Namen vielleicht nicht alle Ehre, war aber trotzdem über die Maßen unterhaltsam und vor allem lehrreich. Gerade heute erst habe ich mir wieder Gedanken darüber gemacht, wie ich diesen Blog finanzieren kann, ohne mich „zu verkaufen“. Und genau darum geht es in der neuesten Doku von Morgan Spurlock, den ihr sicher aus seinem Fast Food Selbstversuch Supersize Me kennt.

Diesmal begibt sich Spurlock in die Welt des Product Placement und wieder reicht ihm die reine Beobachtung nicht aus. Er will das ganze Erlebnis und so beschließt er, seinen Film über Product Placement mit Hilfe von Product Placement zu finanzieren. Das ist irgendwie ziemlich meta und dementsprechend verwirrend, aber wie sich herausstellt eine fantastische Idee. Denn so gelingt es Spurlock den gesamten Prozess von seinen Anfängen bis zum Endprodukt (The Greatest Movie Ever Sold) zu beleuchten und seinen Zuschauern verständlich zu machen. Indem er das Product Placement zum Thema macht, entsteht eine humoristische Transparenz – man könnte vielleicht auch von Ironie sprechen – die verhindert, dass wir uns als Zuschauer von der Werbung verarscht fühlen. Im Gegenteil: Es ist immens unterhaltsam, wenn Spurlock mitten im Interview völlig unvermittelt seine Schuhe auszieht, um die Marke seinem Gesprächspartner anzupreisen. Wie ich an mir selbst beobachtet habe, funktioniert das Konzept großartig, denn nun kenne ich sowohl die Schuhmarke Merrel, als auch das Getränk POM (das angeblich sogar gegen Impotenz wirkt) und ich weiß, dass es Shampoo gibt, dass Pferdemähnen ebenso pflegt wie menschliches Haar.

Doch wie viel Information ist zwischen all dieser Werbung und dem Unterhaltungswert des Film bei mir angekommen? Irgendwie hat The Greatest Movie Ever Sold ein derartiges Tempo, dass bei mir nur Fragmente in Erinnerung geblieben sind. Und – wie das meistens so ist – genau jene Fragmente, die in die Kategorie „nutzloses Wissen“ eingeordet werden können. Quentin Tarantino beispielsweise arbeitet kaum mit Product Placement, weil viele Marken überhaupt nicht in seinem Film vorkommen wollen. Sowohl Reservoir Dogs als auch Pulp Fiction sollten in einem „Denny’s“ beginnen, doch die Restaurantkette war dagegen. Und sonst so? Ähm….

The Greatest Movie Ever Sold ist Infotainment. Morgan Spurlock will uns vor allem unterhalten und das gelingt ihm auch. Wenn er seinen Film als eine Dokumentation über Product Placement bewirbt, ist es also wie bei jeder Werbung ein Euphemismus. Ja, wir lernen ein bisschen etwas über Werbung, aber noch viel mehr lachen wir über Werbung. Interessanter Weise – und hier unterscheidet sich Spurlock maßgeblich von anderen Infotainment Regisseuren wie Michael Moore oder Bill Maher – ist The Greatest Movie Ever Sold für mein empfinden sehr objektiv. Product Placement hat seine Schattenseiten, ist aber gleichzeitig an vielen Stellen eine wichtige Geldquelle. Das wird vor allem deutlich, wenn Morgan Spurlock Werbeflächen im schulischen Umfeld unter die Lupe nimmt. Bei den Kürzungen im Bildungssystem, die wir selbst ja sehr gut kennen, sind Werbeplakate am Schulzaun eine willkommene und hilfreiche Einkommensquelle. Ist das unmoralisch?

Ich bin nun in jedem Fall etwas stärker sensibilisiert für Product Placement in Filmen und werde zukünftig sicher stärker darauf achten. Darüber hinaus aber werde ich mich noch mal intensiver mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, diesen Blog so zu betreiben, dass wir Filmosophen weiterhin unabhängige und hochwertige Artikel liefern können, ohne damit wertvolle Arbeitszeit zu verlieren. Denn hätte ich beispielsweise diesen Artikel an ein anderes Medium verkauft, hätte ich mit diesen Zeilen und der dafür aufgewendeten Zeit Geld verdienen können. Mein Honorar wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit übrigens das Produkt von Werbeeinnahmen gewesen!

Am besten schaue ich mir The Greatest Movie Ever Sold gleich noch einmal an und lasse mich inspirieren. Ach ja, und dazu trinke ich ein schönes Glass Quellbrunn Mineralwasser Naturell von Aldi. Nur so anbei.

VERKAUFSSTART: 15. März 2013

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