The United States of Hoodoo

by on 06/27/2012

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© Stoked Film/ Real Fiction Filmverleih

Ein Dokumentarfilm über den kulturellen Einfluss afrikanischer Religionen in den USA? Das musste ich sehen. Als Amerikanistin mit den Schwerpunkten Literatur der Sklaverei, Film und Religion stand The United States of Hoodoo ganz oben auf meiner Liste. Umso tiefer war der Fall nach der Pressevorführung.

In der Regel kann ich nach fünf Minuten sagen, ob mich ein Film begeistern wird oder nicht. So geschehen auch beim Screening von The United States of Hoodoo, der trotz seiner – zumindest für mich – interessanten Thematik nicht so recht in Schwung kommen wollte. Schriftsteller Darius James begibt sich auf eine Reise in die US-amerikanischen Südstaaten und versucht, das kulturelle Erbe seines jüngst verstorbenen Vaters zu erforschen. Seine These: Die afrikanische Voodoo-Spiritualität, obwohl von der christlich dominierten Gesellschaft im wahrsten des Wortes „verteufelt“, ist fester Bestandteil der nordamerikanischen Popkultur. Um diesen Überlegungen auf den Grund zu gehen, trifft er sich mit Künstlern, Voodoo-Priesterinnen und traditionellen Musikern und verfolgt die Voodoo-Tradition bis in die amerikanischen Küchen.

Im Grunde haben Regisseur Oliver Hardt und Protagonist Darius James hier eine gute Idee gehabt: Sie verbinden die Suche nach den afrikanischen Wurzen der US-amerikanischen Kultur mit einer persönlichen Agenda, der Erforschung der eigenen Herkunft und Identität. Leider gelingt es Hardt in der Montage seiner Materialien nicht, diese beiden Stränge konstant zu verfolgen. Die Privatperson Darius James verschwindet insbesondere im letzten Drittel des Films hinter der ausufernden Analyse des synkretistischen Charakters des Voodoo. In der Folge dieses Kontaktverlusts mit James können auch die sehr intimen Momente, die den Abschuss des Werks bilden, wenig Nähe zwischen Zuschauer und Protagonist herstellen. Schade.

Ein weiteres Problem des Films ist sein anspruchsvolles und nicht zuletzt komplexes Thema. Ich persönlich finde es aus kulturwissenschaftlicher Sicht hochinteressant die Verbindung zwischen afrikanischer Spiritualität und der heutigen US-amerikanischen Kunst und Musik zu entdecken. Dennoch greift mir die Analyse oft zu kurz. Die Zusammenhänge werden mir nicht ganz klar. Es fehlt an strukturierten Erklärungen. Aber ich bin eben auch Amerikanistin und möchte das Thema in all seinen Details erfassen und durchdringen. Otto-Normal-Zuschauer hat daran sicher weniger Interesse. Nur frage ich mich, ob Otto-Normal-Zuschauer die komplexen Verwebungen der Kulturen verstehen kann, wenn ich, die ich schon mit einem Fuß im Thema stecke, kaum in der Lage bin, den Gesprächen auf der Leinwand zu folgen. Im Grunde, so glaube ich, ist Film das falsche Medium, um diese hochinteressante und sehr relevante Thematik zu behandeln. Statt durch eine massentaugliche Herangehensweise das Interesse des Publikums zu wecken, wird The United States of Hoodoo wohl leider einige Zuschauer verschrecken. Da ist zu wenig Tempo, zu wenig Dynamik und Spannung und auch zu wenig Persönlichkeit, um einen Außenstehenden für das Thema zu begeistern. Das ist besonders schade, weil James und Hardt uns im Grunde eindrucksvoll vor Augen führen, wie stark die US-Gesellschaft durch etwas geprägt wurde, das sie mit aller Macht zu unterdrücken sucht(e). Auch führen die Filmemacher dem Publikum vor Augen, welch immense Relevanz das Thema Sklaverei noch heute für die afroamerikanische Bevölkerung hat.

Darius James und Oliver Hardt haben sich mit ihrer Flut an Themen einfach übernommen. Kunst, Musik, Religion, Spiritualität, Vergangenheitsbewältigung und eine persönliche Identitätssuche – das sind einfach zu viele Elemente für einen 100 minütigen Dokumentarfilm. Insbesondere wenn mit einem derart hohen, geradezu wissenschaftlichem Anspruch an die Sache herangegangen wird. Im Zuge dieser Arbeitsweise bleiben Informationsgehalt und Unterhaltungswert leider gleichermaßen auf der Strecke.

KINOSTART: 26. Juli 2012

Pressespiegel bei film-zeit.de

 

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