To Rome With Love

by on 01/09/2013

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© TOBIS

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Es ist verrückt, welchen Output Woody Allen auch noch auf seine alten Tage fertigbringt. Nicht irgendeinen Output, denn so gut wie jeder seiner Filme schafft es mit seinem ironisch-charmanten Stil in die DVD-Regale der Kritiker. Midnight in Paris schlug zuletzt große Wellen und der neue Allen To Rome With Love muss da nachlegen. Kann eine römische Komödie voller Stilvielfalt mit einem Pariser Nostalgiemärchen mithalten? Ja, aber natürlich ist es etwas vollkommen anderes.

To Rome With Love ist zunächst einmal ein Episodenfilm und laut Wikipedia auch eine Hommage an alte italienische Filme (Frederico Fellini), von denen ich keinen einzigen gesehen habe. Aber das muss ich auch nicht, denn mit seinen skurrilen Kurzgeschichten und konfusen Charakteren trieft To Rome With Love nur so vor dem, was ich als italienischen Charme vermute. Der Film dreht sich um den für Woody Allen so wichtigen menschlichen Makel, der im leidenschaftlichen Rom erst Recht zum Vorschein gebracht wird: Der Angestellte Leopoldo (Roberto Benigni) wird plötzlich und ohne erkennbaren Grund zum größten Star Roms. Der alternde Architekt John Foy (Alec Baldwin) trifft auf den Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg) und kommentiert scheinbar konsequenzenlos dessen Beziehungsturbulenzen mit seiner Freundin Sally (Greta Gerwig) und dessen bester Freundin Monica (Ellen Page). Ein junges Ehepaar besucht Rom, verliert sich und testet die Grenzen seiner Beziehung unter Einfluss eines Fernsehstars und einer Prostituierten (Penélope Cruz). Woody Allen bringt sich als zur Ruhe gesetzter, aber ruheloser Musikproduzent ebenfalls ein und will verzweifelt den schüchternen Schwiegervater seiner Tochter (Alison Pill) ganz groß herausbringen.

Viele Episodenfilme verbinden ihre Segmente durch übergeordnete Themen oder kleine, aber wichtige Plotelemente. In To Rome With Love scheint es keines von beidem zu geben. Zu Beginn verkündet uns ein Verkehrspolizist als Erzähler, dass er alle möglichen Geschichten in Rom zu sehen bekommt. So ist es auch mit To Rome With Love, dessen Geschichten vollkommen unabhängig sind und nur stellenweise mit dem Thema Ruhm und Medienwahn spielen. Alles in allem fällt einzig und allein die menschliche Hubris, das moralische Scheitern und der damit verbundene, komisch-tragische Schein als Verbindung zwischen den Geschichten auf.

Aber das ist auch die Verbindung zwischen so gut wie allen Woody Allen – Filmen. Der Mann tut hier schlichtweg, was er am Besten kann: Er inszniert Menschen in all ihrem Glanz und all ihrer Schande. To Rome With Love passt zu Rom wie ein Spaziergang durch alte Ruinen, bei denen sich nur wenig erahnen lässt und hinter jeder Ecke ein Überraschungsfund lauern könnte. Fast schon meditativ und Allen-typisch tauchen wir in die endlosen Dialoge ein und können uns die verschiedenen Sprachperlen wie Pralinen herauspicken. Für meinen Geschmack ist Allens Sprache dadurch auch immer ein wenig zu gestelzt und altmodisch. Wenn dies jemals negativ auffallen könnte, wird es vom hervorragend ausgewählten Cast ausgeglichen.

Für To Rome With Love verließ sich Woody Allen wie schon bei Midnight in Paris auf einen Mix aus amerikanischen Schauspielern und Landsmännern und -frauen des Drehlandes (und Penélope Cruz). Neben dem hervorragenden Alec Baldwin als zynischem Architekt, Woody Allen als Woody Allen im Musikproduzentenkostüm und Ellen Page als manipulierendem Männerschwarm fiel mir besonders Roberto Benigni auf. Der hyperaktive Italiener war mir passenderweise ausschließlich als ebenfalls fuchtelwütiger, römischer Taxifahrer in Night on Earth von Jim Jarmusch bekannt. Während die starken surrealen Elemente in Alec Baldwins und Jesse Eisenbergs Segment vollkommen selbstverständlich hingenommen werden, ist die Panik des zum größten Star Italiens avancierten Bürowichts Benigni köstlich und hat in seiner Übertriebenheit wirklich etwas von alter Slapstick und einer stereotyp italienischen Gestik.

Der magische Realismus, den Woody Allen oft benutzt, tut neben der schauspielerischen Leistung und der Groteske um einen duschenden Opernsänger (Fabio Armiliato) sein Übriges, um To Rome With Love zu einer Pizza mit allem zu backen. Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, einen Film gesehen, sondern eine unterhaltsame Tour durch ein emotionales Zerrbild Roms gemacht zu haben. Die fehlende Verbindung der Handlungen, der Pralinenschachtelcharakter von To Rome With Love, mag einige vielleicht eher geradeaus laufende Erfolge wie Midnight in Paris oder vorangegangene Filme wie Vicky Christina Barcelona bevorzugen lassen. To Rome With Love ist aber dennoch alles andere als Zeitverschwendung und lässt die früh im Film von Judy Davis an Woody Allen gerichteten Worte wie eine Beruhigung erscheinen: „You equate retirement with death.“ „Yes. Yes I do.“

VERKAUFSSTART: 10. Januar 2013

Pressespiegel bei film-zeit.de

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