Tonspur #2 – Die Abspann-Edition

by on 09/17/2014

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Immer wieder zücke ich während des Filmeschauens Notizbüchlein und Kuli, um mir fremde Songtextfragmente zu notieren oder hastig Titel und Künstler aus dem Abspann abzuschreiben. Ob original komponierter Score oder sorgfältig kuratierter Soundtrack, ohne Musik wären Filme nur halb so schön und reichlich überraschende Fundstücke aus dem Kino haben schon meine Playlists bereichert. Die absoluten Lieblinge dokumentiere ich deswegen in komprimierter Form – in meiner Tonspur.

© Katrin Doerksen

© Katrin Doerksen

Aus dem Film: Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel von Aron Lehmann
Interpret: Leonard Cohen
Titel: The Partisan

Die Lieder von Leonard Cohen werden wohl immer aktuell sein. Ein Partisan kann eben auch ein Regisseur sein, der in der deutschen Provinz versucht, Kohlhaas zu verfilmen. Und dazu das Kleist-Zitat: „Ein freier, denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt; oder wenn er bleibt, so bleibt er aus Gründen…“

Aus dem Film: Sag nicht, wer du bist von Xavier Dolan
Interpret: Rufus Wainwright
Titel: Going to a Town

Hier ist der Name Programm. Erstmals sehen wir nach nebligen Feldern wieder eine Stadt im Thriller von Xavier Dolan – und das ist die reinste Erlösung. Sicherheit, Menschen, Gebäude, Musik, Zivilisation – und trotzdem diese schwermütige Melancholie. Dazu passt Rufus Wainwright einfach perfekt.

Aus dem Film: Jack von Edward Berger
Interpretin: Anna von Hausswolff
Titel: Funeral for my Future Children

Anna von Hausswolff ist bombastisch und morbide. Und damit bringt sie all die aufgewühlten Gefühle auf den Punkt, die sich nach dem überraschenden Schluss von Jack einstellen. Aaaah, ich darf nicht spoilern. Aber im Ernst, dieser Film hat mich auf einer gewissen Ebene ganz schön mitgenommen. Da war der Bombast am Ende gut als Ventil.

Aus dem Film: Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch
Interpret: SQÜRL
Titel: The Taste of Blood

In Sachen Only Lovers Left Alive könnte ich im Grunde den kompletten Soundtrack posten – denn der ist von vorne bis hinten genial. Ob nun die selbst komponierten Stücke der Formation SQÜRL oder die zusätzlich ausgewählte Musik. In „The Taste of Blood“ steckt zum Schluss des Vampirstreifens noch einmal ein musikalischer Abgesang auf den Niedergang von allem und seine gleichzeitige Schönheit.

Aus dem Film: Bin-jip von Kim Ki-duk
Interpretin: Natacha Atlas
Titel: Gafsa

„Gafsa“ klingt geheimnisvoll und intensiv, sinnlich und (zumindest für des Arabischen nicht Mächtige) ein kleines bisschen rätselhaft. Und damit ist dieser Song genau wie der wunderbare Bin-jip selbst. Man weiß gar nicht so recht, was man da sieht – aber es gefällt.

Aus dem Film: Nymphomaniac II von Lars von Trier
Interpretin: Charlotte Gainsbourg
Titel: Hey Joe

Die Lyrics von „Hey Joe“ klingen wie direkt einem beinharten Western entnommen. Aber der Song wird nicht von einem Kerl mit Stoppelbart und Wildlederhose gesungen, sondern von der ätherischen Charlotte Gainsbourg gehaucht. Und dieses Konzept geht auf.

Aus dem Film: Arizona Dream von Emir Kusturica
Interpret: Iggy Pop
Titel: In the Death Car

Der Film Arizona Dream war für mich eine richtige kleine Überraschung. Der junge Johnny Depp, die ewig junge Faye Dunaway und jede Menge bizarre Flugobjekte. Wer passt zu diesem Kauderwelsch schon besser als Iggy Pop?

Aus dem Film: School of Rock von Richard Linklater
Interpret: Jack Black und Band
Titel: It’s a long way to the Top

Ach, School of Rock. Nicht meine Darsteller, nicht mein Genre, Kinder mag ich auch nicht. Und trotzdem bleibe ich immer wieder an diesem Film hängen. Weil er einfach Spaß macht. Mitsamt all seiner durchgeknallten Performances (und überhaupt seiner Musik). AC/DC-Songs mit Kindern zu singen, das hat doch was.

Aus dem Film: Master and Commander von Peter Weir
Komponist: Boccherini
Titel: La Musica Notturna delle Strade di Madrid No. 6, op. 30

Nagut, genau genommen geht es hier gar nicht direkt um den Abspann, sondern nur um das Ende von Master und Commander. Aber dieses Ende gehört zu meinen absoluten Lieblingsszenen. Die wunderschöne Melodie von Boccherini ist in dieser Interpretation ein kleines bisschen unperfekt – immer wieder geraten die Musiker leicht aus dem Rhythmus. Aber genau deswegen ist die Filmversion meine allerliebste Version des Stückes.

Aus dem Film: Wish I Was Here von Zach Braff
Interpret: The Shins
Titel: So Now What

Wish I Was Here, naja, der ist nicht ganz so rundum berauschend geraten wie man das vielleicht erwartet hat. Hauptproblem: Kitsch. Und Kitsch gab es immer wieder auch auf der Tonebene. Aber nicht bei der Band The Shins (übrigens Favoriten von Zach Braff). Die können Emotionalität – wenn auch absolut mainstream-tauglich – auch ohne Kitsch.

One Response to “Tonspur #2 – Die Abspann-Edition”

  • Stepnwolf says:

    Dein Kommentar zu „Only lovers left alive“ trifft es auf den Punkt. Ein ausserordentlich guter Soundtrack zum Film. Und nachdem ich jetzt The Shins hören durfte, muss ich „Wish I was here“ unbedingt schauen. Die Band ist mir ja damals auch durch „Garden State“ überhaupt erst auf die Ohren gekommen.

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