Tonspur #4 – Die Live-Edition

by on 04/07/2015

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Immer wieder zücke ich während des Filmeschauens Notizbüchlein und Kuli, um mir fremde Songtextfragmente zu notieren oder hastig Titel und Künstler aus dem Abspann abzuschreiben. Ob original komponierter Score oder sorgfältig kuratierter Soundtrack, ohne Musik wären Filme nur halb so schön und reichlich überraschende Fundstücke aus dem Kino haben schon meine Playlists bereichert. Die absoluten Lieblinge dokumentiere ich deswegen in komprimierter Form – in meiner Tonspur.

© Katrin Doerksen

© Katrin Doerksen

Aus dem Film: Shame von Steve McQueen
Interpret: Carey Mulligan
Titel: New York

Fünfzigtausend Mal haben wir diesen Song schon gehört und über diese Omnipräsenz ist er zu einem Klischee geworden. Einem schönen Klischee vielleicht, aber eben immer noch zu einem Klischee. Und mit der Stimme von Carey Mulligan wird das Klischee nur noch schöner. Sie singt verletzlich und zerbrechlich aber immer noch mit dem winzigen Funken Zuversicht, den der Song einfach braucht. Und wir hängen dabei an ihren Lippen.

Aus dem Film: Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch
Interpret: Yasmine Hamdan
Titel: Hal

Hmmm, mehr als tiefes Seufzen fällt mir zu Yasmine Hamdans „Hal“ fast nicht ein. Die Vampire in Only Lovers Left Alive haben Jahrhunderte der Musikgeschichte live miterlebt und dann bleiben sie an einer im Westen weitgehend unbekannten Sängerin hängen – und das sowas von zu recht. Die pure Sinnlichkeit in Klängen und Bewegungen.

Aus dem Film: Can A Song Save Your Life? von John Carney
Interpret: Keira Knightley u.A.
Titel: Tell Me If You Wanna Go Home

Die Indiesongs in Can A Song Save Your Life? sind sicher nicht die originellsten und Keira Knightley hat auch nicht unbedingt die stärkste Stimme, im Zusammenspiel ergibt die Kombination dann aber doch irgendwie einen besonderen Charme. Vor allem die Idee, Songs an verschiedenen Schauplätzen im Stadtbild von NYC aufzunehmen, sorgt für jede Menge Spaß. Und wenn dann noch Hailee Steinfeld mit der E-Gitarre loslegt und sich vom unsicheren Zupfen an ein Solo herantastet, erinnere ich mich an dieses tolle Gefühl, wenn nach stundenlangem Üben endlich mal eine Melodie so klingt wie sie soll.

Aus dem Film: August in Osage County von John Wells
Interpret: Benedict Cumberbatch 
Titel: Can’t Keep It Inside

Benedict Cumberbatch kann machen was er will und ich werde es immer gut finden. In August in Osage County singt er mit zitternder Stimme ein in seiner Einfachheit umwerfend anrührendes Lied und ich schmelze dahin. Wie die Szene weitergeht, ist im Übrigen auch einen Blick wert.

Aus dem Film: Dom Hemingway von Richard Shepard
Interpret: Emilia Clarke
Titel: Fishermen’s Blues

Oh, ich liebe diesen Song. Wenn ich ihm einmal begegne, läuft er anschließend ein paar Stunden in der Dauerschleife. Und nun gibt es sogar noch ein wenig Abwechslung dabei, denn Emilia Clarke singt in Dom Hemingway eine wunderbare Version mit ihrer wahnsinnig intensiven Stimme. Zu einem Gig ihrer Band würde ich gehen. Der Filmclip ist leider nur kurz, in voller Länge kann man ihren Song aber hier hören.

Aus dem Film: Blue Valentine von Derek Cianfrance
Interpret: Ryan Gosling
Titel: You Always Hurt The One You Love

Er könne nur singen, wenn er es absichtlich auf lächerliche Weise tut, kündigt Ryan Gosling an, bevor er in Blue Valentine zu spielen beginnt. Und am Ende des Liedes sind trotzdem alle hin und weg. Ein bisschen mag das vielleicht auch an der Ukulele liegen, dem ewigen Geheimtipp unter den Instrumenten. Man mag sie unterschätzen, aber sie klingt so wunderbar melancholisch.

Aus dem Film: Der Himmel über Berlin von Wim Wenders
Interpret: Crime & The City Solution
Titel: Six Bells Chime

Eine der besten Szenen in einem der besten Filme. Wim Wenders hat diese hypnotisierende Wirkung auf mich, die mich einfach nie von der Leinwand wegsehen lässt (zumindest bei seinen alten Filmen geht es mir so). Und wenn dann Crime & The City Solution aufspielen, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als in das Westberlin der 1980er Jahre zu reisen, ein Underground-Konzert nach dem anderen zu besuchen, mich irgendwo unauffällig mitten in die Menge zu stellen und die Musik durch mich durchfließen zu lassen.

Aus dem Film: 20.000 Days on Earth von Iain Forsyth & Jane Pollard
Interpret: Nick Cave and the Bad Seeds
Titel: Higgs Boson Blues & Jubilee Street

Wenn ich abends Lust bekomme, mich mit einer Zigarette und einem schweren Rotwein ans offene Fenster zu setzen, dann liefert Nick Cave den perfekten Soundtrack dazu. Ich muss unbedingt mal eines seiner Konzerte besuchen und dabei zusehen, wie er fast in sein Publikum hineinkraucht. Bis es soweit ist, tröstet mich die beste Musikdoku aller Zeiten: 20.000 Days On Earth. Der „Higgs Boson Blues“ ist mein Lieblingslied – aber wie die Regisseure in der Schlussszene alte Konzertmitschnitte aneinander montieren – diese Wirkung ist einfach unglaublich.

Aus dem Film: Volver – Zurückkehren von Pedro Almodóvar
Interpret: Estrella Morente (Penélope Cruz)
Titel: Volver

Nein, Penélope Cruz singt hier nicht selbst, sondern bewegt nur die Lippen zur rauen Stimme von Estrella Morente. Aber wie sie das tut, das bricht dir das Herz.

Aus der Serie: Gilmore Girls
Interpret: The Shins
Titel: So Says I

Zum Abschluss noch eine kleine Ausnahme – eine Serie statt eines Films. So richtig bin ich mit The Shins zwar nie warm geworden, „So Says I“ reißt mich dann aber doch immer wieder mit. Wenn der Spring Break immer so ablaufen würde wie mit Rory und Paris aus Gilmore Girls, dann würde ich mich sogar auch noch dazu breitschlagen lassen.

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