Trainer! – Die Hochs und Tiefs der Taktikfüchse

by on 08/29/2013
© Mindjazz Pictures

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Aljoscha Pause wurde schon für seinen Film Tom meets Zizou sehr gefeiert. Und das mit großem Recht. Für mich ist es eine der besten, persönlichsten und fokussiertesten Fussball-Dokumentationen überhaupt. Das heißt etwas, denn ich habe schon so einige gesehen. Ich bin in der Nähe des Ruhrpotts aufgewachsen und dort spielt Fussball eine enorm wichtige Rolle. Von meinem 6. bis zum 14. Lebensjahr gab es eigentlich kaum etwas anderes außer der Schule. Die Leidenschaft für die vermeintlich „zweitschönste Nebensache der Welt“ ist mir erhalten geblieben und daher sind solche Filme, wie der neue von Aljoscha Pause Trainer! enorm interessant.

Hat er in Tom meets Zizou oder auch seinem Kurzfilm Mesut 17, der Mesut Özil bei einem Jugendturnier des FC Schalke 04 begleitet und auch auf der Blu-Ray enthalten ist, noch das Leben oder Situationen von Fussball-Profis begleitet, so widmet er nun seine ganze Aufmerksamkeit den Trainern. Aber auch hier geht er mit großer Konzentration heran, ohne die Emotionalität zu vernachlässigen. Er begleitet drei Trainer von Vereinen der 2. und 3. Liga. Den „kleinen“ FC Heidenheim mit seinem Erfolgstrainer Frank Schubert, den SC Paderborn mit seinem neuen Trainer Stephan Schmidt und den berühmten FC St. Pauli mit dem Trainer André Schubert, der in die Fußstapfen von Holger Stanislawski treten muss. Außerdem gibt es noch Szenen des DFB Trainerlehrgangs, der von Frank Wormuth geleitet wird.

Es macht durchaus Sinn, etwas unbekanntere Vereine und Persönlichkeiten zu nehmen, da dort ein gewisser uneingeschränkter Einblick möglich ist. Bei den großen Bayern hinter die Kulissen zu schauen, wäre wohl nicht so einfach. So aber bekommt man als Zuschauer die volle Ladung an Details und Erkenntnissen eines Trainerlebens. Allzu viel „Taktikgelaber“ oder zu detaillierte Beschreibungen der Taktik gibt es nicht, wobei die natürlich nicht vollends vermieden werden können. Was ich aber damit sagen möchte, ist, dass auch Leute, die nicht so viel von Fussball verstehen, durchaus ihre Freude an dem Film haben können. Das macht schließlich gute Dokumentationen aus.

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Der Film begleitet die Trainer die ganze Saison und die „Story“ wird immer wieder unterbrochen von den Zusammenschnitten der Spiele, die mal Erfolg, mal Misserfolg zeigen. Leider sind diese Szenen mit störender Musik unterlegt, die nach einer gewissen Zeit etwas nervt. Da der Film auch über zwei Stunden geht (die TV-Version wurde um 45 Minuten gekürzt), lässt das einige Längen entstehen. Auch die Interviews von bekannteren Trainer-Persönlichkeiten, wie Jürgen Klopp oder Hans Meyer stören manchmal die Dynamik des Films, auch wenn sie teilweise gute, erweiternde Einblicke in das Trainerleben geben. Die Hochs und Tiefs aber, die von den drei am Anfang erwähnten Trainern durchlebt weren, sind das eigentliche Hauptmerkmal des Films. Das Dokumentarische verbindet sich hier mit einem Drama, das auch fiktiv hätte sein können. Ein ehemalige Spieler, der unter André Schubert beim St. Pauli gespielt hat, ist jetzt beim SC Paderborn unter Stephan Schmidt. Hier hat die Doku fast soapische Elemente, wenn dieser durchaus umstrittene Spieler sehr offen über seinen ehemaligen Trainer herzieht und dieser sich danach auch äußert (Pause inszeniert das Ganze in einer schönen Montage). Das sind Geschichten, die ein Trainerleben schreibt, genauso wie Entlassungen, Wutausbrüche bei Pressekonferenzen oder eben der enorme Druck, dem sie ausgesetzt sind.

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Es ist eine gute Dokumentation, die durchaus auch etwas für Nichtfans des Sports ist. Ich denke, dass ich ein gutes Verständnis dieses Sportes habe und ich konnte noch so einiges lernen. Außerdem sind diese Trainer einfach enorm interessante Persönlichkeiten, die man gerne bei ihrer absolut leidenschaftlichen Arbeit beobachtet. Leider ist der Film an einigen Stellen zu lang geraten und verliert ein wenig den Fokus. Trotzdem ist es ein spannender und höchst interessanter Einblick in eine Welt, die wohl erst an zweiter Stelle im Fussball kommt. Die Spieler waren, sind und werden wohl immer das Wichtigste bleiben. Nichtsdestotrotz können alle – Fussballfans oder Nichtfans – etwas über diesen Beruf in diesem Film lernen. Und wer tatsächlich den Wunsch hat(te), einmal Fussballtrainer zu werden, der wird sich nach dieser Doku wohl noch einmal ein paar Gedanken machen und die Pläne überdenken.

Pressespiegel auf film-zeit.de

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