Trance – Danny Boyle auf der dunklen Seite der Kunst

by on 02/25/2013

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© Fox Searchlight

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Kunstraub ist ja so etwas wie die Kavaliersdisziplin unter den Verbrechen. Weder werden Leute verschleppt, noch schadet man der Gemeinschaft oder tötet Menschen langsam durch die neueste Modedroge. Eigentlich outet man sich lediglich als äußerst geschmackvoller Ganove, der einfach verdammt gerne dieses oder jenes Kunstwerk haben möchte. Oder zumindest das Geld dafür. Eine Verbrechenssparte, bei der die Hände einigermaßen sauber bleiben.

So bringen uns Filme zumindest häufig die elitäre Welt der Kunstdiebe näher. Fernab von Käsehäppchen und Dieben, die katzenhaft durch lasergesteuerte Sicherheitsanlagen tanzen, versucht das jetzt auch Danny Boyle. Und vielleicht wird es mal wieder Zeit, dass ich meine Meinung zum Thema Kunstraub ändere.

Trance blickt durch die Augen eines Kunstauktionärs, gespielt von James McAvoy, der sich mit Vincent Cassel und einer Bande fieser Kunstdiebe einlässt, um ein Gemälde zu entwenden. Als das Gemälde dann ganz verschwindet und sich besagter Kunstauktionär hilfesuchend an eine Hypnotherapeutin wendet, verliert dieses laufende Bild im wahrsten Sinne des Wortes seinen Rahmen und es wird abgedreht. Aber Yahoo kann euch das viel besser erzählen:

Sieht ganz danach aus, als ob Danny Boyle einen anderen Weg in die Welt der Kunst und geraubten Kunstwerke wählt, und der ist ziemlich trippy. Die Verwischung von Traum, Realität und Erinnerung ist kein Thema, das leicht zu handhaben ist, und ich habe auch schon wieder zwei oder drei Stimmen gelesen, die hier ein britisches Inception befürchten. Das ist an sich aber nichts schlimmes, denn die Prämisse von Nolans Traum-Thriller ist eine absolut fantastische. Und wo ließe sie sich ansonsten besser anbringen, als in der Welt der Kunst? Imitiert die Kunst das Leben oder das Leben die Kunst? In welche Abgründe des menschlichen Unbewussten kann sie vordringen? All diese Fragen eben, die normalerweise Typen in Rollkragenpullis stellen. 

Und ja, vielleicht jetzt auch Danny Boyle. Und auf was für eine abgefahrene Art und Weise. Über seine Filme kann man sich gut streiten, doch in meinen Augen gelingt es ihm immer wieder, einem ausgelutschten Genre neue Ideen und damit neues Leben einzuhauchen (die gesamte neue Zombiefilmwelle hat ihre Existenz eigentlich 28 Days Later zu verdanken). Nun also eine Gratwanderung zwischen Fiktion, Erinnerung und Realität und ich bin gespannt, in welche dunklen Ecken des Geistes uns Trance entführen wird. Zumindest schon einmal in jene Ecken, in denen Vincent Cassel auch noch mit zur Hälfte abgetrenntem Kopf sprechen kann. Das wird heftig.

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