Unknown User oder Teenage-Horror im 21. Jahrhundert

by on 07/06/2015

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Blair Witch Project, Scream, Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast – das waren die Filme, die in meiner Jugend bei „Übernachtungspartys“ in den Videorekorder geschoben wurden (ja genau, das Ding mit den Bändern, nicht das mit den Scheiben!). Es war die große Zeit des Teeny-Horrors. Glaubte man_frau den filmischen Repräsentationen der Zeit, lebten Menschen zwischen 13 und 18 besonders gefährlich, war doch die Gefahr, Opfer eine_r Massenmörder_in zu werden, in diesem Alter offensichtlich besonders groß. Wenn ich mir den Trailer zu Unknown User so ansehen, hat sich die prekäre Lage der Jugend in dieser Hinsicht nicht geändert:

Ich gebe zu: Ich bin kein großer Fan von Horrorfilmen. Früher hat mich derartiges Kinogegrusel noch unterhalten. Heute verstört es mich so, dass ich Angst davor habe, nachts alleine auf die Toilette zu gehen. Das ist ziemlich erniedrigend und muss nicht sein, weshalb ich Horrorfilmen eher aus dem Weg gehe. Unknown User hat trotzdem mein Interesse geweckt, bietet sich hier doch ein spannender Vergleich zweier Generationen von Teeny-Horror-Konzepten an.

© Universal

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Found Footage steht wie schon damals bei Blair Witch Project für einen vermeintlichen Realitätsbezug, den heute freilich niemand mehr glaubt (für die jüngeren Semester: Wir dachten damals noch vorübergehend, die Hexe von Blair gäbe es wirklich!). Dennoch ist der Reiz des angeblich authentischen Bildmaterials nach wie vor groß. Es sind zudem auch immer noch die als „Leichen im Keller“ personifizierten Jugendsünden, die einen Rachefeldzug antreten. Wie schon in Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast, werden die Jugendlichen von einer düsteren Vergangenheit eingeholt, wobei die unheimliche Bedrohung hier nicht nur von einem „Geist“, sondern auch vom Internet selbst ausgeht. Social Media, so macht der Trailer deutlich, ist hier zugleich Lebensmittelpunkt wie auch Todbringer für die Protagonist_innen, scheint sich doch die gesamte Handlung vor den Kameras von Computern, Tablets und Smartphones abzuspielen. Was sonst als Möglichkeit beschrieben wird, am Leben des Gegenübers teilzunehmen, zwingt die Teenys nun dazu, dem Tod der besten Freund_innen beizuwohnen: Unknown User, so scheint es, zeigt eine Pervertierung der sozialen Medien und ihrer Funktion.

© Universal

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Aber haben die Jugendlichen von heute wirklich Angst vor dem Internet oder ist diese Angst nicht viel mehr auf Seiten der Eltern und Filmemacher_innen zu finden? Ist Unknown User am Ende ein Lehrfilm, der eine bedrohliche moralische Keule schwingt? So unter dem Motto „Pass auf was Du in dieses Internet stellst, denn es wird Dich immer, ja IMMER, einholen… *evil laughter*!“

Nun, um diese Frage zu beantworten müssen wir wohl bis zum Kinostart am 16. Juli 2015 warten.

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