Verkannte Genies, Schauspieler und Filme

by on 01/23/2015

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Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung

am 24. und 25. Januar 2015

cutrin empfiehlt The Imitation Game von Morten Tyldum im Kino

© Square One Entertainment

© Square One Entertainment

Als waschechte Cumberbitch lasse ich es mir an dieser Stelle natürlich nicht nehmen, den Film zu empfehlen, für dessen Hauptrolle Benedict Cumberbitch alle Preise dieser Welt verdient hätte. Aber auch sonst ist der Film großartig: weil er eine Geschichte erzählt, die so irre ist, dass man sie für konstruiert halten müsste, wäre sie nicht von vorne bis hinten wahr. Und so mischt auch Morten Tyldum gekonnt die Genres, wenn er aus dem Leben Alan Turings erzählt, dem Genie, das den Nazi-Verschlüsselungscode Enigma knackte und sich später umbrachte, weil er wegen seiner Homosexualität mit aggressiven Hormonen therapiert wurde. Unglaublich von vorne bis hinten, ich sag’s ja. Hier gibt es noch einmal meine vollständige Kritik zu The Imitation Game nachzulesen.

quadzar empfiehlt Fish Tank von Andrea Arnold am Freitag, den 23. Januar um 20:15 Uhr auf EinsFestival

© good! movies

© good! movies

Das Wochenende geht gut los, wenn es mit Michael Fassbender losgeht. In Fish Tank von Andrea Arnold spielt er aber eher eine sehr wichtige Nebenfigur. In Fish Tank geht es nämlich um Mia (Katie Jarvis), ein Mädchen das mit ihrer Mutter und Schwester in einer Blocksiedlung an Englands Ostküste lebt. Ihr Leben besteht wie das ihrer Altersgenossen zu großen Teilen aus Glitter, Kippen und Prügelei, wobei der vermutlich unrealistische und damit tragische Traum von der professionellen Tanzerei noch das I-Tüpfelchen ist. In dieses kleine Universum tritt Connor (Michael Fassbender), der neue Freund von Mias Mutter, der für die 15-jährige Mia wie ein frischer, attraktiver Wind ist. Problematisch ist wohl, das Connor das umgekehrt genauso sieht und gerne auch ein wenig durch Mias Haare wehen würde. Fish Tank zeichnet mit der Darbietung der damals noch Amateur-Schauspielerin Katie Jarvis voran ein nicht-sensationalistisches Porträt dieses abgeschlossenen Aquarium-Universums und ist dabei noch eine schöne Geschichte über das Erwachsenwerden und Abnabeln, das bitter und befreiend zugleich sein kann.

dennis empfiehlt ’71 von Yann Demange auf DVD

71

© Ascot Elite Filmverleih

Die Berlinale 2015 nähert sich mit großen Schritten und da ist es Zeit an die Filme zu erinnern, die die letzten Jahren von den Jury gradios übergangen wurden. ’71 von Yann Demange auf der Berlinale 2014 ist ein sehr gutes Beispiel dafür und mir persönlich ist bis heute nicht klar, wie dieser – wohl gemerkt – Debütfilm (!), keinen einzigen Preis in der Kategorie Wettbewerb bekommen konnte. Der Film erzählt extrem spannende die Geschichte des britischen Soldaten Gary Hook (Jack O’Connell), der während eines Einsatzes im Nordirlandkonflikt von seiner Truppe getrennt wird und sich wieder in die sichere Kaserne durchschlagen muss. Das große Plus an Demanges Film ist, dass er den Zuschauer von Beginn an dramaturgisch fesselt und er auf brilliante und vor allem ehrlich-harte (besonders visuelle) Art und Weise zeigt, wie verwirrend und wie tiefsitzend die Feindschaften sowie die inneren und äußeren Grenzen in diesem europäischen Konflikt doch sind. Ja, definitiv ein verkanntes Meisterwerk der jüngeren Filmgeschichte.

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