Was macht den Fade To White so besonders?

by on 04/21/2015

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Video-Essays haben momentan Konjunktur, die gibt es noch und nöcher und zwar zu nahezu jedem Thema und jedem Film. Umso schöner, wenn man dann auf Arbeiten trifft, bei denen man tatsächlich bis zum Schluss den Tab nicht schließen möchte. So ging es mir vergangene Woche bei Fade to White von Jacob T. Swinney. In knappen vier Minuten zeigt er eine ziemlich stattliche Bandbreite von Filmen, die die Weißblende verwenden, von The Fountain und Black Swan über The Hunger Games und Solaris bis hin zu, jap, Titanic.

Und was bedeutet das nun, wenn ein Regisseur sich für einen fade to white entscheidet? Die Schwarzblende ist uns nur allzu geläufig. Sie zeigt das Ende von etwas an, manchmal auch ein schwindendes Bewusstsein und am Schluss eines Films wirkt sie meist endgültig und rund. Die Weißblende hingegen hält alles in der Schwebe, bleibt ambivalent. Sie kann Verwirrung und Desorientierung bedeuten, aber auch den Tod, eine bessere Zukunft, Euphorie oder mit esoterisch-romantischen Assoziationen spielen. Arvo Pärts (wie immer) berückend schöne Melodie „Für Alina“ unterstreicht diese Ambivalenz hier auf der Tonspur noch: sie kann je nach Stimmung beglückend, aber auch todtraurig wirken. Hier ist das Zusammenspiel aus Bild und Ton vor allem von einer hypnotischen Sogkraft. Und ich wundere mich noch immer ein wenig über die Wirkung der Weißblende. Ob sie nur so anders wirkt, weil Weiß nun mal in Westeuropa positiver konnotiert ist als die Trauerfarbe schwarz? Ich glaube nicht. Wenn das Bild ins Weiße ausblendet, entsteht automatisch der Eindruck von hellem Licht, dafür bleiben vom Bild länger die Schatten und dunklen Konturen sichtbar – ein völlig anderer Effekt als wenn bei der Schwarzblende zuerst die Schatten im Dunkel versinken. Und nicht zuletzt erinnert die Weißblende nicht unmittelbar an das sich nun mal aus technischen Gegebenheiten heraus einstellende Schwarz am Ende einer alten Filmrolle. Und wie lauten eure Theorien?

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