Winter, Liebe und ein Heiliger

by on 01/09/2015

Angewandte Filmosophie zum Wochenende

Wir geben euch Tipps für die cineastische Wochenendgestaltung

am 9. 10. und 11. Januar 2015

cutrin empfiehlt St. Vincent von Theodore Melfi im Kino

© Sony

© Sony

Das neue Jahr beginne ich mit einem Film, den ich in den zurückliegenden Pressevorführungen leider stets verpasst habe. St. Vincent steht auf meiner To-Watch-Liste vor allem deshalb, weil Bill Murray und Melissa McCarthy mitspielen. Ersterer ist einfach eine lebende Legende mit großartigem Humor und die Karriere Zweiterer beobachte ich deswegen so gern, weil sie es schon vor Jahren als Köchin in Gilmore Girls in mein Herz geschafft hat. In dem neuen Film von Theodore Melfi geht es nun um einen griesgrämigen alten Veteranen, der für einen einsamen Jungen zum Heiligen und Großvaterersatz avanciert. Sicher alles schon mal gesehen, aber sicher trotzdem sehr schön.

quadzar empfiehlt Winter’s Bone von Debra Granik am Samstag, den 10. Januar um 21:45 Uhr auf einsfestival

© Ascot Elite

© Ascot Elite

Heute ist Jennifer Lawrence ja in aller Munde und ihre öffentlichen Auftritte nehmen fast meme-artige Züge an. Im Jahr 2010, vor Die Tribute von Panem, war das aber noch nicht so. Winter’s Bone brachte sie aber auf jeden Fall ins Gespräch für vieles von dem, was wir heute von ihr sehen dürfen. In Winter’s Bone spielt sie Ree, die älteste Tochter und Versorgerin einer auseinanderbrechenden Familie im ärmlichen Missouri. Der Vater wird gesucht und wenn sie ihn nicht findet (oder seinen Tod bestätigt), könnte sie das Haus verlieren. Der war aber nicht unbedingt ein Engel und hatte seine Finger im Meth-Handel, der in den armen Regionen floriert. Es beginnt eine lebensgefährliche Suche, bei der sie alles für ihre Familie riskiert. Winter’s Bone ist aber nicht nur wegen der Darstellung von Jennifer Lawrence beeindruckend, sondern auch als einprägsame Milieustudie.

dennis empfiehlt Love Steaks von Jakob Lass am Freitag, den 9. Januar um 20:45 Uhr auf einsfestival

© Daredo Media

© Daredo Media

Das Schöne an Love Steaks von Jakob Lass ist, dass er definitiv überrascht. Der Film ist in vielerlei Hinsicht ein Experiment und ein sehrgelungenes, das nicht ohne Grund mit dem Max-Ophüls-Preis 2014 ausgezeichnet wurde. In den ersten Minuten bekommt der Zuschauer den Eindruck, dass dieser FOGMA-Film mehr eine Reportage als ein Spielfilm sei. Und vielleicht ist das nicht ganz falsch, denn neben den beiden grandiosen und völlig gegensätzlichen Hauptdarstellern, Lara Schmelzing und Clemens Pollozek, ist mehr oder wenige nur noch die Crew Teil des professionellen Stabs. Der Rest der Darsteller wurde vor Ort gecastet. Und genau durch diese teilweise Improvisation und diese knallharte Ehrlicht gewinnt der Film seine Leichtigkeit und vor allem seinen ungewöhnlichen Humor. Wenn das die Zukunft des jungen deutschen Films sein soll, dann bitte mehr davon! Ebenso wie ich denkt auch filmosophie in ihrer Kritik.

 

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