Wir sind die Millers

by on 08/30/2013

Flattr this!

© Warner Bros.

© Warner Bros.

Ich bin mir nicht mehr sicher, weshalb ich nach dem Anschauen des Trailers von Wir sind die Millers den Film auf meine „Muss-ich gesehen-haben“-Liste gesetzt habe. Vielleicht lag es daran, dass ich Jason Sudeikis seit ich ihn das erste Mal bei Saturday Night Live gesehen habe sehr schätze. Oder weil ich hoffte, dass hinter dem Trailer ein turbulenter und lustiger Film steckt. Es lag definitiv nicht an Jennifer Aniston und ihrer Pole-Dance-Einlage. Ok, vielleicht ein bisschen. Ja, ich hatte Erwartungen, und jein, sie wurden (nicht) enttäuscht.

Die Story von Wir sind die Millers ist simpel und schnell zusammengefasst: Nachdem dem Grasdealer David Clark (Jason Sudeikis) von einer Straßengang sowohl sein Gras als auch sein Barvermögen geklaut wird, steckt er ganz schön in der Patsche. Denn sein Zulieferer Brad hat dafür kein Verständnis und bietet ihm nur eine Möglichkeit an, seine Schulden zu begleichen: David soll für ihn eine Ladung Marihuana von Mexiko in die USA schmuggeln. Kurzerhand castet er sich eine Familie, denn was wäre zur Tarnung eines solchen Unterfangens besser geeignet als ein lustiger Camping-Familien-Roadtrip mit einem riesigen Wohnwagen. Zusammen mit der Stripperin Rose (Jennifer Aniston) und seinen Scheinkindern Kenny (Will Poulter) und Casey (Emma Roberts) begibt er sich Wohl oder Übel auf die Reise. Das dabei so einiges schief laufen kann, versteht sich von selbst. Doch ist es auch lustig?

Eigentlich könnte Wir sind die Millers die perfekte Sommerkomödie sein. Die Story ist zwar nicht originell, aber immerhin hat der Film einen interessanten Cast und lebt von seinem kurzweiligen Humor, der selten die Gürtellinie unterschreitet. Insgesamt hat mich der Film gut unterhalten, aber nach dem Verlassen des Kinosaals habe ich mir dann die eingangs erwähnte Frage gestellt: Warum wollte ich den Film unbedingt gesehen haben? Es ist schwer zu definieren, aber irgendetwas hat mir gefehlt. Das gewisse Etwas, dass für nachhallende Begeisterung sorgt.

Wir sind die Millers hat viele Elemente, die eine wirklich gute Komödie ausmachen. Es gibt schräge Charaktere, wie beispielsweise den Drogenboss Brad Gurdlinger (Ed Helms), der sich als Haustier einen Haifische fressenden Schwertwal hält, intelligent-lustige Dialoge, absurde Szenen, die teilweise echt zum Brüllen komisch sind, aber eben auch eine zugegebenermaßen zu kleine Portion herzerwärmende Rührseligkeit. Denn während der Film zu Beginn ganz klar auf das Einzelgängertum der Charaktere fokussiert ist, erzählt Regisseur Rawson Marshall Thurber (Voll auf die Nüsse) das Zusammenwachsen der Protagonisten zu einer Art echter Familie eher beiläufig anhand weniger Konfliktszenen. Natürlich besteht die Story darin, wie die vier ungleichen Einzelgänger zu einer Gemeinschaft werden – das ist wohl jedem von Anfang an klar. Dass die Ausarbeitung der individuellen Beweggründe und somit die Charakterentwicklung jedoch nur als Hintergrund für die sketch-artigen Gags dient, fand ich persönlich ein wenig schade.

© Warner Bros.

© Warner Bros.

Das Hauptproblem an Wir sind die Millers ist aber ein ganz anderes: die Elemente stehen für sich. Thurber gelingt es leider nicht, die einzelnen Bestandteile zu einem Ganzen zu verbinden und dem Film damit sowohl mehr Dynamik als auch mehr Kohärenz zu verleihen. Dadurch wirkt der Film wie eine Aneinanderreihung von Gags, die von einer konstruierten Handlung zusammengehalten werden. Besonders deutlich wird dieses Konstrukt, wenn ein Gag mal nicht funktioniert und dem Zuschauer dadurch Zeit zum Reflektieren gegeben wird. Bedauerlicherweise zählt meiner Meinung nach auch der Gastauftritt von Luis Guzmán als schwuler, korrupter mexikanischer Cop zu einer dieser Szenen. Ich möchte den platten Gag an dieser Stelle aus offensichtlichen Gründen unerwähnt lassen, nur so viel: Die Szene ist deutlich zu lang.

Hätte ich keine Erwartungen gehabt, dann wäre mir Wir sind die Millers als das in Erinnerung geblieben, was er ist – eine kurzweilige Popcorn-Komödie, die genau das abliefert, was der Trailer verspricht. Aber wo Erwartungen sind, können Erwartungen enttäuscht werden. Vielleicht haben auch Jennifer Aniston und Jason Sudeikis maßgeblich dazu beigetragen, da sie ihren neuesten Film im unten folgenden Trailer stark bewerben und uns 5 Gründe geben, warum wir uns Wir sind die Millers anschauen sollten.

Kinostart: 29. August 2013

Pressespiegel auf film-zeit.de

Vier (ernsthafte) Filme, in denen auch Drogen geschmuggelt werden:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* 2+5=?

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.