Young Ones – Männlichkeit auf dem Prüfstand

by on 11/17/2014
© Ascot Elite

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Der Western als eines der beliebtesten Genres aller Zeiten findet immer mal wieder ein Revival. Filme wie There Will Be Blood oder auch der postmoderne Django Unchained versuchen das Genre entweder nostalgisch aufzuladen, zu ironisieren oder schlicht um weitere Aspekte zu bereichern. Das versucht auch Jake Paltrow mit seinem Zukunftswestern Young Ones. Filmisch schaut er dabei in die Vergangenheit, inhaltlich in die Zukunft. Achtung: Leichte, thematische Spoiler.

In Young Ones geht es um die Wiederholung der Geschichte, um Werte und die Geschichte einer Familie. Dank einer beispiellosen Dürre hat sich der mittlere Westen der U.S.A wieder in eine Wüste verwandelt, in der Wasser zu einem vielleicht noch selteneren Gut verkommen ist, als es im eigentlichen Wilden Westen der Fall war. Die Familie um Vater Ernest Holm (Michael Shannon), Tochter Mary (Elle Fanning) und Sohn Jerome (Kodi Smit-McPhee) kann nicht mehr auf die Früchte ihrer Felder bauen, sondern muss sich als Händler verdingen, während Mutter Katherine (Aimee Mullins) ihr Leben invalide im Heim fristen muss. Einzige Hoffnung ist die Gnade der Arbeiter in den Bergen, die über das Verlegen der Wasserrohre entscheiden können. Ernest ist allerdings alles andere als beliebt und zu allem Überdruss droht seine Tochter sich bald mit dem jungen Flem (Nicolas Hoult) davonzumachen.

Das Marketing macht Young Ones als einen Action-Film im Mad Max – Stil aus. Das ist der Film nun wirklich nicht. Glücklicherweise. Denn stattdessen bietet Young Ones eine sehr langsam erzählte Geschichte in drei Akten, mit drei Protagonisten. Zuerst sehen wir Ernests Versuche, die Farm zu retten, dann Flems erfolgreichere Jagd nach dem Glück und schließlich Jeromes Geschichte im finalen Kapitel. Young Ones spielt im Titel auf eine Geschichte über junge Menschen an und darauf, wie sie wohl anders mit so einer Situation umgehen, als ihre Vorväter. Tatsächlich birgt der Film aber eher eine Botschaft über Geschlechterverhältnisse und die Zerstörungskraft, die traditionell eher mit Männern als mit Frauen assoziiert wird. Die wilden und ständig betrunkenen Arbeiter in den Bergen, der Stolz von Ernest, die Skrupellosigkeit von Flem und schließlich auch die kalte Wut von Jerome.

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Der Schlussgedanke von der Geschichte ist dann, dass das kommende Kind von Mary doch bloß kein Mann werden solle. Die Frauen des Films haben so gut wie kaum etwas zu sagen und im Lichte dessen macht das auch Sinn. Die Härte dieser Zukunftswelt hat das „Weiche“ und „Warme“ verdrängt und die Menschen wieder zu skrupellosen Einzelgängern werden lassen. Vielleicht sind die alten, von Konkurrenzdenken und Stolz gepflasterten Wege nicht mehr brauchbar. Schließlich war ihr Schlusspunkt die Welt von Young Ones. Hier im Text mag das etwas platt und polemisch herüberkommen, aber es kommt wie bei allem auch hier mehr auf das „Wie“ als auf das „Was“ an.

Und das Wie ist geprägt von weiten Einstellungen, glühendem, weißen Sand und einem klassischen Aufbau. Drei Akte, benannt nach den jeweiligen Protagonisten und mit einer Nahaufnahme auf dessen Gesicht eingeleitet. Sogar der Abspann ist so gestaltet. „Michael Shannon spielte Ernest Holm.“ Die Geschichte spielt in der Zukunft und trotzdem schafft ess Young Ones, futuristische Landmaschinen oder Videotechnologie nahtlos in die Western-Ästhetik einzubinden. Das ist aber mehr als Nostalgie. Strukturell ein Western, reflektiert Young Ones die von Rache und Gewalt gespickten Plots, die viele mit dem Durschnittswestern assoziieren. Es ist die Zukunft, aber die Geschichte kann sich wiederholen. Young Ones erinnert durch die Machart an Ideen und Themen, die zeitlos sind.

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Langsam, mit viel Schweigen und Unausgesprochenem entfaltet sich die Geschichte von Young Ones. Trotz dem Anti-Gewalt-Standpunkt geht es zuerst um die Figuren und erst dann um das, was sie repräsentieren. Flem hat nicht nur Gutes im Sinn, das wird schnell klar. Und auch Ernest ist nicht unbedingt ein Lamm Gottes. Die komplexen Beziehungen der Figuren zueinander zeigen dann aber, dass in der Welt von Young Ones nichts mehr einfach ist und einfache Interessenkonflikte im Glühen der Sonne schnell zu einer ausgewachsenen Fehde werden können. Schon die Eröffnungssequenz um ein paar Wasserdiebe zeigt effektiv, welche Gesetze in dieser Welt gelten und wie sie beschaffen ist. Die Pulverfassathmosphäre des Films spiegelt sich denn auch in den Mienen von Michael Shannon, Kodi Smit-McPhee, Nicolas Hoult und Elle Fanning wieder, die allesamt den Film auf ein hohes darstellerisches Niveau heben.

Schließlich bietet Young Ones eine sehr humanistische Botschaft: Wir sind alles, was wir haben und gerade in schwierigen Zeiten darf das nicht weggeschmissen werden. Wer nach Mad Max sucht, wird hier nicht fündig. Als ästhetisierte Darstellung eines möglichen Zukunftsszenarios ist Young Ones aber einer der besten Western der jüngeren Zeit.

Verkaufsstart: 18. November 2014

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